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30.05.2007

Poeten bitten zum Tanz

von Frank Quilitzsch TLZ

Ranis. (tlz) Ein Literaturball auf der Burg - das ist Thüringenpremiere! Das hat es im Land der Dichter, Musiker, Märchenerzähler und Bratwurst-Traditionalisten noch nicht gegeben. In knapp drei Wochen, am Sonnabend, 16. Juni, startet er im renovierten Rittersaal zu Ranis - und ist seit Wochen ausverkauft. Die 120 Glücklichen, die im Besitz einer Karte sind, dürfen sich auf kulturelle Hochstimmung freuen: Die Band "Blue Line" spielt zum Tanz auf, bekannte Autoren streuen heitere Texte ein, Multitalente zaubern auf Instrumenten, und gegen Ende der von MDR-Figaro-Moderator Klaus Dylus präsentierten langen Ballnacht wird es auch noch erotisch.
Keine Bange, das ist nur ein Höhepunkt im breit gefächerten und weit gestreuten Veranstaltungsangebot, mit dem die Thüringer Literatur- und Autorentage ihr zehntes Jubiläum feiern. Neben der Literaturburg Ranis, auf der vom 14. bis 17. Juni sozusagen das Kernprogramm abläuft, sind als weitere Zentren die Dichterstätte Sarah Kirsch im nordthüringischen Limlingerode (10. Limlingeröder Diskurse, 23./24. Juni), die Menantes-Gedenkstätte Wandersleben (Eröffnung der Thüringenbibliothek, 9. Juni) und die Universitätsstadt Jena einbezogen, die mit Lyrik im Kirchturm (Stadtkirche, 23. Juni), einem Lesekonzert mit jungen Preisträgern des Literaturforums Hessen-Thüringen (Café Wagner, 22. Juni) und einer Podiumsdiskussion über Literatur und Macht zum 100. Geburtstag von Günter Eich (Schillers Gartenhaus, 23. Juni) aufwartet. Auch die Zwischenräume von Knau (Rittergut-Lesung, 30. Juni) bis Mühlhausen (Lesemarathon, 16. Juni) werden nicht ausgespart; so gastieren etwa der Südthüringer Literatursalon in Neustadt, "Scheherazade" im Liebhabertheater Schloss Kochberg und weitere Thüringer Autoren an Schulen.

Das mache den großen Reiz des mittlerweile überregional wahrgenommenen Literaturfestivals aus, dass hier prominente Autoren mit einheimischen Künstlern und dem Dichternachwuchs an einem Tisch sitzen, freut sich Cheforganisator und Lese-Zeichen-Geschäftsführer Martin Straub. Etwa wenn Feridun Zaimoglu und Clemens Meyer die Südthüringer schreibende Pädagogin Ursula Schütt in ihre Mitte nehmen. Man verbinde hohen literarischen Anspruch mit großem Unterhaltungswert, auch Generationen sowie verschiedene Gattungen und Genres wie Musik und Lyrik, Märchen und Puppenspiel, Rock und Chanson. Die vier Abende und drei Tage auf der Burg werden zu einem großen Lese-, Gesangs- und Familienfest verschmelzen.

So wird die Schauspielerin Jutta Hoffmann aus Briefen von Brigitte Reimann lesen, Wolfgang Schorlau seinen neuesten Krimi vorstellen, Alexander Osang als Gast in Figaros Lese-Café, das vom Burghof sendet, über seinen Roman "Lennon ist tot" plaudern und Angelika Mann und "Cäsar" Peter Gläser (Renft) mit musikalischen Darbietungen erfreuen. Auch Thüringens einziges Literaturjournal zeigt sein Profil: Herausgeber Jens-Fietje Dwars stellt gemeinsam mit den Autoren Wulf Kirsten und Gisela Kraft den "Palmbaum" vor.

Viele Orte, viele Künstler, viele Facetten - so ließe sich das Jubiläum zusammenfassen, das von der Literarischen Gesellschaft, dem Friedrich-Bödecker-Kreis und weiteren Thüringer Kulturvereinen unterstützt wird. Zahlreiche Förderer, Sponsoren und ehrenamtliche Helfer sorgen mit dafür, dass die 10. Literaturtage einen entspannten und erfolgreichen Verlauf nehmen. "Genüsse der besonderen Art" verspricht sich der Landrat des Saale-Orla-Kreises, Frank Roßner von dem "Lesespektakel". Beim Raniser Bürgermeister Andreas Gliesing hat das Festival "einen festen Platz im Jahreskalender". Das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung erkennt die Literaturtage übrigens als "Lehrerfortbildung" an. Möge das Festival Schule machen!

@ Programm unter:www.lesezeichen-ev.de