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10.05.2012

Pen-Jahrestagung bis Sonntag in Rudolstadt mit 130 Autoren

von Angelika Bohn Ostthüringer Zeitung

Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass gestikuliert während einer Diskussion in Lübeck (Foto vom 19.12.11). Im Verlauf der Pen-Jahrestagung soll auch dessen Ehrenpräsidentschaft diskutiert werden. Foto: Olaf Malzahn

130 Autoren aus Deutschland und Österreich führt ab morgen Nachmittag die Pen-Jahrestagung in Rudolstadt zusammen. Das Treffen findet bis Sonntag statt. Am Freitag wird die "Goldene Taube" weitergegeben. Diskutiert wird u.a. der Antrag Günter Grass die Ehrenpräsidentschaft des Pen-zentrums abzuerkennen. Das Treffen steht unter dem Motto "Stets ist die Sprache kecker als die Tat" (Schiller "Piccolomini") und wird von einer Reihe öffentlicher Veranstaltungen begleitet. So stellen im Theater Rudolstadt heute Schriftsteller andere Schriftsteller vor. Am Sonntag beschäftigt sich eine Matinee unter anderem mit dem als Pistolenduell getarnten Doppelselbstmord am 17. Dezember 1911 in Rudolstadt, der den schwer verletzt überlebenden Jugendlichen Rudolf Ditzen, den späteren Schriftsteller Hans Fallada, für Jahre ins Gefängnis und die Psychiatrie brachte. Zudem informiert eine Ausstellung im Foyer des Theaters über die internationale Schriftstellerveinigung Pen. Am Freitag gibt das Pen-Zentrum Deutschland die "Goldenen Taube" weiter, die es im Februar von der Wissenschaftsstadt Darmstadt erhalten hatte. Empfängerin ist die Übersetzerin, Herausgeberin und Vorsitzende des unabhängigen chinesischen Pen-Centers in Taipeh, Tienchi Martin-Lioa. Der Abend ist dem inhaftierten Dichter und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo sowie verfolgten türkischen und arabischen Autoren gewidmet. Traditionsgemäß ehrt die Schriftstellervereinigung ihre verstorbenen Mitglieder. Unter anderem wird die am Starnberger See lebende Autorin Franziska Sterr den am 22. August 2011 verstorbenen Vicco von Bülow würdigen; die in Ostberlin geborene Journalistin und Schriftstellerin Daniela Dahn spricht über Christa Wolf, die am 1. Dezember 2011 starb. Zu den mit Spannung erwarteten Diskussionen dieser Tagung gehört der Antrag eines Mitglieds, Günter Grass die Ehrenpräsidentschaft des deutschen Pen wegen seines umstrittenen Gedichts "Was gesagt werden muss" abzuerkennen. Allerdings, sagte der deutsche Pen-Präsident Johano Strasser bereits im Vorfeld der Tagung, sei er sicher, dass dieser Antrag abgelehnt werde. Aber alle Anträge, die form- und fristgerecht eingereicht werden, werden zur Diskussion und Abstimmung gebracht. Weiterhin wird sich die Tagung mit aktuellen Fragen des Urheberrechts und dem in Philadelphia zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten US-amerikanischen Journalisten und Politaktivisten Mumia Abu-Jamal beschäftigen.