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15.01.2008

Pauls Sache mit Paula

von Frank Quilitzsch TLZ

Ranis. (tlz) Wie war das damals, als eine der schönsten deutschen Filmlegenden geboren wurde? Winfried Glatzeder hatte, ehe ihn Heiner Carow 1973 zusammen mit Angelica Domröse besetzte, in "Zeit der Störche" gespielt und war "Der Mann, der nach der Oma kam". Als sympathischer Spätzünder Paul in "Die Legende von Paul und Paula" machte der Schauspieler Filmgeschichte und ist noch heute, 35 Jahre danach, in den Klubkinos präsent. Zum Sommeranfang kommt Paul, nein, Winfried auf die Literaturburg Ranis, um seine Ende Februar im Aufbau-Verlag erscheinende Autobiografie "Paul und ich" vorzustellen.
Wie Glatzeder, der 1982 mit seiner Familie von Ost- nach Westberlin ging, kann auch Veronika Fischer auf eine doppeldeutsche Karriere verweisen. Die Sängerin wird ihren "Sommernachtsball" im Abschlusskonzert am 22. Juni präsentieren und hat die Lyrikerin und Liedtexterin Gisela Steineckert mit im Programm. Ferner gehören der Theologe Friedrich Schorlemmer, die Schriftstellerin Katja Lange-Müller und der Dichter Steffen Mensching zu den bekanntesten Akteuren des viertägigen Literaturfestivals.

Einen ritterlichen Schwof gibt es auch, nämlich die zweite Auflage des Thüringer Literaturballs mit Kabarett im mittelalterlichen Ambiente, und am nächsten Mittag zum ersten Mal einen literarischen Gottesdienst in der Stadtkirche zu Ranis. Prediger Preiser und Martin Stiebert als Rezitator werden ihn brüderlich gestalten. Quasi als Kontrastprogramm dazu erschallt im Winkel hinter Huberts Gasthof "Die Schmiede" deftiger Poetry Slam.

Chef-Koordinator Martin Straub vom Lese-Zeichen e. V., dem Förderverein des Thüringer Verbandes deutscher Schriftsteller, hat alle künstlerischen Höhepunkte der Literaturtage bereits fest im Plan. Dazu gehören ein Puppentheater auf dem Lkw ebenso wie die Kinderbuchlesung mit Hubert Schirneck oder der traditionelle Autoren-Frühschoppen mit der Raniser Stadtschreiberin Friederike Kenneweg im Marktstübchen. Als Ausstellung gibt es ein erstes Resümee von Thüringer Schriftstellern und Künstlern zu besichtigen, die 2007 als Kollektiv nach Israel reisten. Ferner wollen Michael Hametner und MDR-Radio Figaro wieder ihr Literatur-Café live von der Burg senden, der Gast - wie immer ein prominenter Autor - wird noch benannt.

Damit sind vorerst lediglich die zentralen Veranstaltungen vom 19. bis 22. Juni in Ranis verkündet. Das Gesamt-Festival erstreckt sich wieder über ganz Thüringen und schließt das Lesefest im Rahmen des 2. Menantes-Literaturpreises für erotische Dichtung im Pfarrhof Wandersleben (13./14. Juni), Veranstaltungen im Liebhabertheater Schloss Kochberg sowie zahlreiche Lesungen von Thüringer Autoren in Schulen und Bibliotheken mit ein. So wird die Literarische Gesellschaft in Jena vor allem junge Dichter in den Fokus rücken und ein Podium zum Verlauf des deutschen Literaturprozesses nach der Vereinigung organisieren. In Kooperation mit dem Südthüringer Literaturverein soll es ein thüringisch-bayerisches "Grenzland"-Projekt geben. Den Schlusspunkt setzen traditionell die Limlingeröder Diskurse in der "Dichterstätte Sarah Kirsch".

Gefördert wird das Festival wieder vom Thüringer Kultusministerium sowie von zahlreichen Sponsoren wie den Stadtwerken Jena-Pößneck, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, dem GGP Media Pößneck und der Kreissparkasse Saale-Orla. Verlässliche Mitstreiter sind wie immer die Kulturämter und Bibliotheken der beteiligten Städte.

Um noch mal auf Winfried Paule Glatzeder zurück zu kommen: Wie war das denn nun mit Paula? "Jede Rolle", schreibt er in seiner Biografie, "hat mit mir zu tun - egal ob Mörder, Lüstling, Geizkragen oder idealistischer Phantast."

@ Programm unter: www.lesezeichen-ev.de