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17.06.2003

Patentes Trio rettet den Abend

von mko Ostthüringer Zeitung

Wladimir Kaminer, Jakob Hein und Andreas Gläser auf Burg Ranis

Die Geschichten von Wladimir Kaminer zu lesen, macht großen Spaß. Den 1990 eingewanderten und in Berlin lebenden Russen, der die neuere deutsche Literatur aufmischt, live zu hören, ist ein Erlebnis. So am Sonntagabend auf der Burg in Ranis, als er und zweitere Autoren aus Berlin, Andreas Gläser und Jakob Hein, für den bislang am besten besuchten Termin der diesjährigen Thüringer Literatur- und Autorentage auf der Burg sorgten. Das Publikum lachte teils Tränen bei den schrägen, mitunter ruppigen Geschichten. Müsste man einige der von Kaminer, Gläser oder Hein notierten Alltagssituationen durchmachen, würde man sich grün ärgern. Hört man sie - pointiert vorgetragen von Hein, berlinerisch-proletarisch von Gläser, mit liebenswürdigem russischem Akzent von Kaminer -, ist der Abend gerettet.

Das patente Trio brachte Bekanntes und Unveröffentlichtes zu Gehör - Hein u. a. das Drama eines Ritterkreuzträgers, der den Nahkampf im Kleinkindabteil eines Eisenbahnwaggons verliert; Gläser z. B. die Geschichte einer "Idylle, die ich gerne vermisse", in einer Kleingartenkolonie; Kaminer, dessen Werk bei "Wer wird Millionär?" schon mal eine 64 000-Euro-Frage wert war, berichtete u. a. von etwas anderen Erfahrungen mit dem MDR-Nachmittagsfernsehen. Die passende, lockere Musik zu diesen Geschichten lieferten die Jungs von Fish´n Jazz aus Weimar.

Das Finale des ersten Literaturwochenendes war genau so großartig wie der Auftakt.