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22.03.2008

Oma und der Osterhase

von Verena Zeltner Ostthüringer Zeitung

Eine Ostergeschichte von Verena Zeltner

"Genug getan für heute , sagte Oma zufrieden. Sie öffnete das Fenster zum Garten und ließ die Sonnenstrahlen und das Gezwitscher der Vögel herein. Was für ein schöner, friedlicher Sonntag! Sie atmete tief ein. Man konnte den Frühling schon richtig riechen.
In diesem Moment hörte sie ein lautes Geschrei. Moritz, dachte sie, was hat er wohl wieder angestellt... Kurz darauf stürmte ihr Enkel ins Zimmer, das Gesicht hochrot und tränenverschmiert.

"Oma, Lara hat gesagt...", begann er außer Atem, der Rest ging im Schluchzen unter, das seinen kleinen Körper schüttelte. Oma wartete eine Weile und fragte dann vorsichtig: "Was hat sie denn gesagt, Moritz? Noch immer konnte der Junge nicht antworten. Endlich stieß er unter Tränen hervor: "Lara hat gesagt, es gibt keinen Osterhasen. Und sie muss es doch wissen, weil sie ein Schulkind ist.

"Nun beruhige dich erst einmal, mein Junge. Komm, setz´ dich zu mir. Sie stellte einen Teller mit seinem Lieblingskuchen auf den Tisch. Moritz schniefte. "Sie hat gesagt, es ist alles Schwindel. Sie hat gesagt, den Osterhasen haben sich die Erwachsenen nur ausgedacht.

Während er den Kuchen in sich hineinstopfte, kullerten schon wieder Tränen über die Wangen des Fünfjährigen. Mit großen Augen sah er seine Oma an. "Oma, bitte sag´ mir, dass es den Osterhasen gibt.

"Aber natürlich gibt es ihn", sagte Oma. "Wer sollte sonst wohl die Eier bemalen und verstecken? Wer, wenn nicht der Osterhase?!

"Lara sagt, das machen Mama und Papa", war Moritz noch misstrauisch. "Oder die Omas.

Oma schüttelte den Kopf. "Deine Mama, die so viel Arbeit mit dem kleinen Schwesterchen hat, und dein Papa, der die ganze Woche unterwegs ist? Meinst du wirklich, dass sie noch Zeit haben, Ostereier anzumalen und zu verstecken?

Moritz schaute seine Oma nachdenklich an. "Nee, glaub´ ich nicht , antwortete er schließlich und wischte sich die Tränen ab. Ein kleines hoffnungsvolles Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Doch plötzlich verschwand es wieder: "Und du, Oma? Du hast doch immer Zeit.

"Wo denkst du hin , gab Oma zur Antwort und seufzte. "Eier bemalen, das würde mir gerade noch fehlen! Du weißt doch, dass ich gar nicht gut malen kann. Und mit meinem Rücken, der dauernd weh tut, denkst du, ich könnte da draußen unter den Büschen herumkriechen und Ostereier verstecken? Oder gar auf einen Baum steigen? Sie lachte. "Wie der Osterhase im letzten Jahr, erinnerst du dich?

Moritz nickte eifrig. "Aber klar! Wo ein Sprunghase bei uns war und mein Osterkörbchen so weit oben im Apfelbaum hing, dass Papa hinauf klettern musste! Du, der Lara glaub´ ich kein Wort mehr. Ich gehe jetzt lieber zu Jan. Er blinzelte ihr zu. "Eigentlich, Oma, siehst du dem Osterhasen auch gar nicht ähnlich! Lachend schnappte er sich noch ein Stück Kuchen und rannte in den Frühling hinaus.