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18.06.2002

Offener Umgang mit dem Phänomen Heavy Metal

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Ranis (OTZ/M. K). Auch Fans von Heavy Metal sind Menschen und nicht einfach in eine Schublade zu pressen. Mit gängigen Klischees bricht Frank Schäfer in seinem Buch "Heavy Metal. Geschichten, Bands und Platten", aus welchem er am Samstag in Ranis anlässlich der Thüringer Literatur- und Autorentage las. Aus der Sicht eines Fans, aber nicht nur für Fans, wendet sich Schäfer an ein breites Publikum.

Während unter den Gästen in Ranis etwa ein Dutzend Fans dieser Musikrichtung saßen, kamen ebenso die anderen anwesenden Literaturfreunde auf ihre Kosten. Geschickt verstand es der Braunschweiger, dank der gewählten Reihenfolge seiner Kapitel, alle Besucher bei bester Laune zu halten. So las er zunächst einige der Geschichten um Personen. Auffallend die anschaulichen Beschreibungen in seinen Erzählungen. Dem jährlichen Festival in Wacken (Norddeutschland) als dem weltweit größten Treff der Szene bescheinigte er beispielsweise "größte Toleranz und Kompetenz in Härtefällen" gemeint ist natürlich die Musik.

Als "V 2 unter den Kapellen" bezeichnet Schäfer in seinem Buch die Band Motörhead, um in diesem und weiteren Fällen Musik mit Beispielen von CDs einzuspielen. Ebenso vertreten in seinen Ausführungen sind die australischen Rocker namens AC/DC mit ihrer "sprichwörtlichen Riff-Ökonomie" und einer Musik, deren allseits bekannten Akkorde ("Highway To Her u. a.) Ausdruck von "Kalkül oder strategischer Notwendigkeit" sind.

Kritisch und mit gesunder Selbstironie nähert sich der Autor dem Phänomen Heavy Metal, dem "Stachel im Sitzfleisch des Spießbürgertums". In einem "analytischen Teil" berichtet der Fan und Musikjournalist gleichzeitig über das Abdriften einiger Musiker ins rechtsradikale Lager, um schließlich versöhnlich mit einem eigenen Glaubensbekenntnis und Musik der von im besonders verehrten Band Thin Lizzy zu enden.

Mit seinem Buch einschließlich der Lesung bringt Schäfer die gewünschte Farbe ins Spiel der Literaturtage in Ranis. "Ich war selbst überrascht, hier lesen zu dürfen", sagt er. Dass allein er das Genre Heavy Metal bei der Musikzeitschrift Rolling Stone bespreche, sei ein Glücksfall für die Kollegen. "Das will keiner machen. Denn mitunter ist man auch Anfeindungen ausgesetzt "