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28.09.2009

Nutze den Augenblick

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) "Man müsste schöner lügen können", singt er, "vergessen, wer man ist und war." Oder: "Wer reich ist und satt, der ist so gerne ein Demokrat!" Am Ende waren es die alten reinen Wenzel-Lieder, die die Begeisterung in der vollbesetzten Jakobskirche überkochen ließen. Kein Wunder, denn die vierzehn neuen Songs nach Texten seines Schriftstellerfreundes Christoph Hein hörten die meisten der Konzertbesucher am Sonnabend zum ersten Mal. Der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel spielte zum Abschluss der Tagung "Freiheit, die ich meine ...", auf der Autoren wie Angela Krauß, Christoph Dieckmann, Katja Lange-Müller, Thomas Rosenlöcher und Wulf Kirsten an die friedliche Revolution von ´89 erinnerten.
Dabei fügt sich das "Masken"-Album beinahe nahtlos in Wenzels über fast drei Jahrzehnte gewachsenes Repertoire - sozialkritisch, poesievoll, authentisch. Was auch daran liegen mag, dass alles, was Wenzel vertont - ob Gedichte von Theodor Kramer oder Strophen von Woodie Guthrie -, am Ende nach Wenzel klingt. Selbst ein Text von Johannes R. Becher, den er im zweistündigen Konzert spielte, begleitet vom Lunar-Trio im vielleicht nicht ganz typischen Wenzel-Sound. Ungewohnt klangen lediglich die experimentellen Vokaleinlagen von Kiki Bohemia, hinter der sich aber auch eine Wenzel, nämlich Wenzels Tochter Karla verbirgt. Auf der Masken-CD ist sie nicht nur im Refrain, sondern auch solo mit "Liegt ein Schnee" zu hören. Verse des Erinnerns und Lieder von der Vergänglichkeit wie "Maria, Mutter Gottes, bitt´ für mich", die, selbst wenn sie den Tod anrufen, das Leben preisen, die Geselligkeit und den Genuss des Augenblicks feiern - das Publikum forderte Zugaben. Eine weitere Zugabe folgt am 2. Oktober mit dem neuen Album "König von Honolulu", auf dem Wenzel selbstverfasste Schnulzen, Shantys und schräge Schlager singt.

27.09.2009 Von Frank Quilitzsch