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26.06.2013

Nur Vollmond leuchtet nicht für Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Dieter Moor während seiner Lesung aus seinem Buch " Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht: Geschichten aus der arschlochfreien Zone". Der Moderator, Schauspieler und Biobauer war ein Publikumsmagnet bei den 16. Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis. Foto: Mario Keim

Ranis. Und dennoch gab es eine Panne: Als Dieter Moor, der seit April den Künstlernamen Max Moor trägt und vor zwei Jahren schon einmal hier las, seine Lesung zur besten TV-Sendezeit begann, war es hell. Moor lobte derweil das gute Essen und Bier auf der Burg und versprach vollmundig seinen Zuhörern für den weiteren Abend den "fettesten Vollmond des Jahres." Dass zwei Tage nach Sommeranfang ein Wolkenvorhang über Ranis herbeiziehen würde, hatte er nicht im Kalkül.

Dieses Naturschauspiel sah Roger Willemsen am Tag zuvor, der gleichfalls 300 Besucher lockte und zwei Stunden unterhielt. "Beide sind begnadete Rhetoriker. Sie haben sehr gute Antennen für das Publikum. Man sieht förmlich die Bilder vor Augen, die beide malen, wenn sie erzählen", sagte der Pößnecker Frank Mylius.

Der 55-jährige Dieter Moor, der als Moderator, Schauspieler und Biobauer tätig ist und aus derSchweiz stammt, wurde natürlich nach seinem Namen gefragt: "Wer will schon Dieter heißen?", fragte der Mann, der in Zukunft Verwechslungen in Kauf nehmen muss, weil sein Hund ebenfalls Max heißt.

"Man kann nicht über ein Buch sprechen, das "Momentum" heißt, ohne hier gewesen zu sein", begrüßte Roger Willemsen die Raniser mit Worten, die zwar in Sekunden verhallten, die aber für die Ewigkeit bestimmt waren. "Momentum" heißt sein 2012 neu erschienenes Buch. Darin schildert der Autor, Universitätsdozent, Übersetzer und Korrespondent, der in 15 Jahren 2000 Fernsehinterviews führte, sehr persönliche Momentaufnahmen. Der 57-jährige, in Bonngeborene Publizist begegnete seinen Zuhörern in Ranis sehr volksnah und auf Augenhöhe - mit viel Respekt und zeigte sich ebenso zum Anfassen wie Dieter Moor. Bei ihm gab es eine besonders lange Schlange, nachdem Vereinsvorsitzender Andreas Berner um 22.30 Uhr die Besucher verabschiedete und ihnen für den Zuspruch dankte. Besucher Andreas Herklotz aus Weltwitz, der Dieter alias Max Moor zum zweiten Mal in Ranis erlebte, faszinierte an dem Gast die Fähigkeit, "die Mentalität der Ostdeutschen und der Menschen aus der Schweizmiteinander zu verbinden".

"Für uns ist es immer das stressigste Wochenende des Jahres, aber auch ein sehr schönes", sagte Vereinsmitglied Johannes Wunderlich alias Hansi von Märchenborn ausTrockenborn, der zu den unermüdlichen Helfern im Hintergrund gehörte. Der Märchenerzähler aus dem Saale-Holzland-Kreis nannte es richtig, dass es im vielseitigen Reigen neben Schreibwerkstätten, Poetry Slam, einer berührenden Präsentation von selbst geschriebenen Texten durch Neustädter Schüler, Kindertheater, einem Literarischen Gottesdienst und dem ebenfalls zur Tradition gewordenen "Figaros Lesecafé" mit Michael Hametner die so genannten "Bringer" gibt, zu denen am Wochenende neben Willemsen und Moor die Leipziger Erfolgsautorin Else Buschheuer gehörte.

Johannes Wunderlich genoss von der obersten Treppe des Südflügels aus die letzten Minuten eines glanzvollen literarischen Festivals, das Besucher mit vielen Superlativen ausstatteten. Doch auch er musste vergeblich auf den angekündigten Vollmond warten, der offenbar an diesem Tag ein Kunstverächter war und einen Bogen um Ranis machte.