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14.10.2004

Noll in die 'Noll' gelockt

von Frank Quilitzsch TLZ

tlz) Mit Hilfe einer Traditionsgaststätte ist es den Veranstaltern des Jenaer Lesemarathons gelungen, die bekannte Krimi-Autorin Ingrid Noll zu "ködern". Die Verfasserin der Werke "Kalt ist der Abendhauch" und "Die Apothekerin" ist in ihrem Leben viel in der Welt herum gekommen, kennt jedoch die Jenaer Kneipe "Zur Noll" noch nicht. "Die Noll in der Noll", das wäre ein Mordsding, dachten sich die Organisatoren, und der Coup klappte: Vom 12. zum 13. November wird Ingrid Noll in der "Noll" übernachten - wenn das man gut geht. Zuvor wird die Autorin in der Ernst-Abbe-Bücherei aus ihrem neuen, rabenschwarzen Buch "Rabenbrüder" lesen.

Eröffnen wird den X. Jenaer Lesemarathon, der bis zum 14. November eine Vielzahl von zum Teil hochkarätigen Veranstaltungen bietet, am 1. November Büchnerpreisträger Volker Braun in der Abbe-Bücherei. Braun hat in seinem brillant geschriebenen Buch "Das unbesetzte Gebiet" den Mythos der Republik Schwarzenberg, nein, nicht entzaubert, sondern vom Kopf auf die Füße gestellt und in ein heiteres Licht gerückt. Die Besucher der Lesung dürfen an Momenten einer großen Utopie teilhaben.

Zuvor gibt es bereits zwei Veranstaltungen, die man sich vormerken sollte: den Prolog mit dem Dramatiker Rolf Hochhuth am 26. Oktober in der Universitätsbuchhandlung Thalia und einen musikalisch umrahmten humorvollen Abend mit dem israelischen Aphoristiker Elazar Benyoetz, der sein Buch "Finden macht das Suchen leichter" vorstellt (27. 10.).

Ein Höhepunkt der satirischen Art dürfte der Auftritt von Max Goldt im Jenaer Volksbad werden (4. 11.). Und auch wenn TV-Star Roger Willemsen aus seinem neuen Buch "Gute Tage. Begegnungen mit Menschen und Orten" liest, ist mit Zulauf zu rechnen (9. 11.).

Leseförderung heißt für die Veranstalter - neben der Ernst-Abbe-Bücherei der Lese-Zeichen e.V. und Lesehallen Verein -, einen Marathon für ein breites Publikum zu organisieren und unterschiedliche Interessen zu bedienen. Mit Thomas Brussig und Frank Goosen sind bekannte Vertreter der jüngeren Schriftstellergeneration aus Ost und West dabei. "Helden wie wir"-Autor Brussig liest Auszüge aus seinem Wende-Romanopus "Wie es leuchtet" (13. 11.) und der Komiker Goosen hat nach "Liegen lernen" ein weiteres autobiografisch gefärbtes Werk unter dem Titel "Mein Ich und sein Leben" verfasst (3. 11.).

Mit dabei ein Trio Thüringer Autoren

Die Thüringer Autorenzunft ist in diesem Jahr durch Wolfgang Haak, Annette Seemann (beide Weimar) und den Jenaer Stefan Seifert vertreten. Seifert stellt fantastische Geschichten aus seinem Erstling "Das Raskolnikow-Syndrom" vor (5. 11.), Seemann präsentiert ihre Frida Kahlo-Biografie "Ich habe mich in eine Heilige verwandelt" (11. 11.) und Haak liest aus seinem Kurzprosaband "Treibgut / Warmzeit" (14. 11.). Auch Freunde von Sachbüchern kommen auf ihre Kosten - bei Jörg Baberowski beispielsweise, der in "Der rote Terror" die Geschichte des Stalinismus erzählt (8. 11.). Und sogar ein Jazz-Abend ist angesagt, mit Ekkehard Jost und Band (4. 11., Kunstbühne Kurz & Klein).

X. Lesemarathon - feiert man da nicht Jubiläum? "Wir machen den zehnten Marathon innerhalb von neun Jahren", wehrt Lese-Zeichen-Manager Martin Straub bescheiden ab. Im ersten Jahr gab es zwei. Und dass es nach dem Ausstieg von Bertelsmann 1999 so erfolgreich weiterging, sei das Verdienst vieler Partner - von der Jenaer Kommune über die Landeszentrale für politische Bildung bis zu den beteiligten Buchhandlungen der Stadt. Die Abbe-Bücherei dokumentiert die Lesestafetten in einer kleinen Ausstellung. "Klar, sind wir auf unser Jubiläum stolz", lässt Straub dann doch noch durchblicken. Und ein bisschen feiern werde man nach jeder Lesung. In der "Noll" natürlich.