Presse - Details

 
08.11.2003

'Noch'n Gedicht' vom Erzschelm

von Sabine Wagner Ostthüringer Zeitung

Heinz-Erhardt-Abend mit Hanno Loyda und Loyda Junior in Jena

Dreimal "um die Ecke denken" , böse Schimpfwörter salonfähig machen, sein Publikum mit unschuldigem Blick verzaubern - das alles und noch viel mehr konnte Heinz Ehrhardt.Der Kabarettist, Komponist, Schauspieler und Fernsehliebling vermochte sogar, ein ganzes Leben in einen Vierzeiler zu pressen. "Zu kurz" , heißt der: "Kaum, dass auf die Welt du kamst,/zur Schule gingst, die Gattin nahmst,/dir Kinder, Geld und Gut erwarbst - schon liegst du unten, weil du starbst.""Noch'n Gedicht?" war die Lieblingsfrage des Erzschelms, der 1979 starb und der für seine Anhänger unsterblich geblieben ist. Auf diese Frage hatten die Besucher Donnerstagabend in der Ernst-Abbe-Bücherei in Jena nur eine Antwort. Über zwei Stunden lang unterhielt der Humorist Hanno Loyda mit seinem Heinz-Erhardt-Programm "Große Schatten werfen ihre Ereignisse hinter sich" das Publikum. Rezitierte, adaptierte, sang, tanzte und sorgte für Lachsalven am laufenden Band. Weil Loyda "des Pianierens" nicht mächtig ist, wohl aber "des Gitarrierens", setzte er Loyda Junior ans Klavier.Nun ist der eher schmächtige Hanno Loyda wahrlich nicht mit dem wohlbeleibten "Schmunzelmeister der Nation" zu vergleichen. Und mancher Programm-Abteilung fehlte ganz einfach das "Gewicht" des Ur-Komikers.Doch wie dieser Loyda den "unehelichen Bruder" von Literatur-Papst Reich-Ranicki gibt, der selbstverliebt fragt: Was wollte uns der Dichter damit sagen? ist preisverdächtig. Auch Loydas virtuoses Spiel mit dem Publikum macht Riesenspaß.Noch'n Gedicht? Ein Schüttelreim muss genügen: "Nur Wasser trinkt der Vierbeiner,/der Mensch, der findet Bier feiner."