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29.10.2007

Nischendasein als Chance

von Lydia Psurek Ostthüringer Zeitung

Erste Jenaer Buchmesse in der Goethe Galerie thematisierte Probleme der lokalen Verlage
Von Lydia Psurek Jena (OTZ). Vor Konkurrenz aus Jena müssen sich die Leipziger und Frankfurter Messeveranstalter wohl vorerst nicht fürchten. Aber eines hat die erste Jenaer Buchmesse am Samstag in der Goethe Galerie gezeigt: Dass das literarische Leben in Jena in seinem relativ kleinem Rahmen durchaus viele verschiedene Gesichter hat.
Organisiert wurden die Messe und das literaturfestliche Rahmenprogramm von Autor Dr. Jens-Fietje Dwars zusammen mit der Thüringischen Literarhistorischen Gesellschaft Palmbaum e.V. und mit Unterstützung von Jenakultur. Sieben Jenaer Verlage und ein Gast aus Weimar waren vor Ort präsent, um ihre Häuser und dort erschienen Bücher vorzustellen. "Hier in der Goethe Galerie können wir ein Publikum erreichen, das sonst keine Buchmesse besuchen würde", freute sich Verlagschef Helmut Stadeler. Auch Christine Jäger, Leiterin des Glaux Verlages, fand die Idee der Messe prinzipiell gut. "So kommt man mit den Leuten und auch mit den Kollegen ins Gespräch", meinte sie. Ihre neuesten Bücher, Zeitschriften und Kalender hatten die ortsansässigen Verlage an Ständen ausgebreitet, die zahlreiche Passanten anlockten. Lesungen, Spielszenen in historischen Kostümen von Schülern des Angergymnasiums, ein Puppenspiel und die Märchenstunde mit Erzähler Hansi von Märchenborn sorgten für unterhaltsame Atmosphäre.

"Was die literarische Vielfalt betrifft, halte ich Jena für einen Vorreiter in Thüringen", sagte Dr. Detlef Ignasiak vom Jenaer Quartus-Verlag, in dem unter anderem auch das Jenaer Literatur-Journal "Palmbaum" herausgegeben wird. An vielen verschiedenen Orten - so zum Beispiel im Café Wagner, in der Thalia Buchhandlung, im Schillerhaus, im Begegnungszentrum Closewitzer Straße, aber auch in Schulen und Lesezirkeln - beschäftige man sich auf hohem Niveau mit Literatur, so Ignasiak.

Diese Feststellung war schon ein Teil der Antwort auf die Frage "Ist das Buch nicht längst veraltet?", die Moderator Dwars in einer Podiumsdiskussion an Verlagsleiter, Autoren und Publikum richtete. Gelesen werde nach wie vor, hieß es, aber trotzdem hätten die kleinen Verlage angesichts der millionenschweren Werbekampagnen der großen mit Problemen zu kämpfen.

Ihre einzige Chance sei es, nach Nischen zu suchen, waren sich die Debattierenden weitgehend einig. Dazu zähle vor allem Regionalliteratur, "aber auch Sachen, die sich die Großen nicht trauen", sagte Dwars. Damit meinte er zum Beispiel das neue Buch "Ein Leben für den Terror" des Jenaer Autors Bernd Zeller - eine satirische "Autobiographie von Osama bin Laden", die bundesweit vermarktet werden soll. Dass es auch bei internationalen Themen Nischen gibt, erläuterte Ute Fritsch vom Verlag Jena 1800, der mit Stadtführern durch das Literarische Jena angefangen hat und heute Titel über Berlin, Paris und St. Petersburg führt.