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15.03.2014

Neunhofener Autorin auf Buchmesse und bei Analphabeten - Autorin Verena Zeltner aus Neunhofen las im Theaterbus aus ihrem Buch "Ein Indianer weint doch nicht!".

von Peter Cissek Ostthüringer Zeitung

Die Neunhofener Autorin Verena Zeltner liest auf der Leipziger Buchmesse im Theaterbus des Theaters der Jungen Welt aus ihrem Buch "Ein Indianer weint doch nicht!". Foto: Renate Klein

Neunhofen/Leipzig. Die Neunhofener Kinder- und Jugendbuch-Autorin Verena Zeltner hat am Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse aus ihrem Buch "Ein Indianer weint doch nicht!" gelesen. Etwa 25 Kinder hatten sich an dem ungewöhnlichen Leseort, dem Theaterbus des Leipziger Theaters der Jungen Welt, als Zuhörer eingefunden.

"Bei einer Buchmesse mit rund 2000 Lesungen hatten viele Autoren deutlich weniger Publikum", meint die Neunhofenerin. Honorar habe sie für ihren Auftritt nicht bekommen und der Werbeeffekt für ihr Buch sei überschaubar. Dennoch habe sich ihre Messeteilnahme auf Einladung des Friedrich-Bödecker-Kreises voll gelohnt. Denn Verena Zeltner will zu ihrem vor knapp zwei Jahren im oberfränkischen Turmhut Verlag erschienenen Buch eine Fortsetzung schreiben, welches sich dem Thema Analphabetismus bei Erwachsenen widmet.

"Ein Indianer weint doch nicht!" erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die mit ihrem Sohn Moritz zur Oma an die Ostsee zieht und dort als Zimmermädchen in einem Hotel arbeitet. Von seinem Großvater erhält der Junge alle Karl-May-Bücher geschenkt.

Folglich träumt er mit seinem besten Freund und Blutsbruder Kalle davon, eines Tages nach Amerika zu reisen, dorthin, wo die richtigen Indianer leben.

Bis es soweit ist, üben sie sich schon mal im Indianersein mit Bogenschießen und Friedenspfeife rauchen. Als Moritz für seinen Schulaufsatz zum Thema "Mein schönstes Ferienerlebnis" die Schulnote 1 erhält und die arrogante Tochter des Hotelchefs wieder nur eine 4, da platzt es aus ihr heraus: "Sie ist eine Analphabetin", erklärt das Mädchen, warum der Vater Moritz Mutter entlassen habe. Für den Jungen bricht eine Welt zusammen, er begibt sich auf die Flucht zu den Indianern in den USA. Auf der Leipziger Buchmesse nahm Verena Zeltner auch an einer Gesprächsrunde des Bundesverbandes für Alphabetisierung und Grundbildung teil. Tim-Thilo Fellmer, ehemaliger funktionaler Analphabet aus dem Taunus, und jetzt Autor und Verleger, las aus neuen Texten. "Kaum zu glauben: Als Kind hat er nicht richtig Lesen und Schreiben gelernt. Die Lehrer hatten keine Zeit, sich mit dem schlechten Schüler zu befassen. Nach elf Schuljahren machte er den Hauptschulabschluss und schloss eine Lehre zum Kfz-Mechaniker ab, aber erst mit Mitte 20 fand er einen Weg aus dem Analphabetismus", berichtet Verena Zeltner. Als er dann Bücher lesen konnte, habe sich für ihn eine neue Welt aufgetan. Joachim Radtke von einer Selbsthilfegruppe aus Grimma berichtete bei der Gesprächsrunde in Leipzig, wie schwer es Analphabeten fällt, sich zu outen. Verena Zeltner hat nun auch das Angebot bekommen, an einem Alphabetisierungskurs der Volkshochschule Jena teilzunehmen.

Lesen und Schreiben lernen ist wichtig

Inzwischen spricht man von über sieben Millionen funktionellen Analphabeten in Deutschland. Bei ihren Recherchen lernte Verena Zeltner Menschen kennen, die erst als Erwachsene Lesen und Schreiben gelernt haben.

Sie stellte fest, dass Analphabeten klug und clever sein müssen, um ihre Schwäche im Alltag zu vertuschen. All diese Erfahrungen geben Anregungen für das neue Buch, in dem Moritz Mutter einen Alphabetisierungskurs beginnt und zahlreiche Alltagsprobleme zu lösen hat.

"Ich möchte Kinder mit diesem Problem vertraut machen und ihnen gleichzeitig zeigen, wie wichtig es ist, Lesen und Schreiben zu lernen", erklärte die Autorin.