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24.06.2003

Neuland mit Lyrischem Gottesdienst

von S. B. Ostthüringer Zeitung

Literatur in der evangelischen Kirche Ranis mit Christoph Eisenhuth

Ganz klar, das Wort steht bei den Thüringer Literatur- und Autorentagen auf Burg Ranis im Mittelpunkt. Mit einer neuen Nuance warteten die Organisatoren jedoch am Sonntag auf: Die Organisatoren der literarischen Wochenenden und die evangelischen Kirchgemeinde hatten zu einem ersten Lyrischen Gottesdienst eingeladen.

"Wir trauen dem Wort mehr zu als bloßes Verhallen im Kirchenraum", sagte Pfarrer Joachim Preiser zum Experiment. Die Christen leben vom Wort. Das belegte Preiser mit der Gestaltung des Gottesdienstes, der sich in Liedern, im Evangelium und im Gebet um das Wort drehte.

Die zentrale, meist auch wortgewaltige Stelle des Gottesdienstes, die Predigt, füllte nun am Sonntag Christoph Eisenhuth. Der Theologe, 30 Jahre lang war er u. a. in Kahla und Apolda Gemeindepfarrer, fand Worte über den Verlust der Wärme in der Welt, illustrierte mit Worten den Körnergarten in Dresden und begleitete mit dem Wort das Leben der Else Lasker-Schüler. Lyrik ganz unterschiedlicher Couleur stellte Eisenhuth in knapp einer Stunde vor, darunter aus dem Band "Loreley" und aus einem Manuskript mit neuen biographischen Gedichten. Vertreibung und Fremdsein sind nicht nur Thema in seinen "Sephardic Songs", sie durchziehen fast alle seine Gedichte. Und immer wieder kehrt der 53-Jährige zurück zum "Abschied der warmen Erde von der erkaltenden Welt", ob es nun in kurzen Epigrammen ist oder in der Schilderung eines Künstlerlebens.

Die Hörerschar war beim ersten Lyrischen Gottesdienst in Ranis klein, Pfarrer Joachim Preiser und Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen e. V. denken dennoch an eine Fortsetzung. "Ich freue mich, hier einen so Literatur liebenden Pfarrer gefunden zu haben", lobte Dr. Straub im OTZ-Gespräch und fügte mit Blick auf die Zukunft hinzu: "So können viele gemeinsame Anliegen auch gemeinsam umgesetzt werden."