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27.02.2012

Neue politische Bücher im Gespräch

von Frank Qulitzsch TLZ

Der Absturz der Staatsfinanzen in Europa, das Schicksal der fünfzehn Sowjetrepubliken nach der Auflösung des Riesenreichs und das islamische Recht im Zeitalter der arabischen Revolutionen - dies sind brisanten Fragen, die im Mittelpunkt der Reihe "Das politische Buch im Gespräch" stehen.

Erfurt. Die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung hat vor allem Sachbuch- und Reportage-Autoren an Schulen, Bibliotheken und Hochschuleinrichtungen eingeladen, die mit ihren zugespitzten Positionen den Dialog mit den Lesern suchen. Eröffnet wurde das erste Halbjahr 2012 mit der Biografie des neuen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, die Gerald Praschl am einstigen Wirkungsort des "Rebellen", in Jena, vorstellte.
Der Thüringer Publizist Udo Scheer, der zuletzt mit seiner viel beachteten Jürgen-Fuchs-Biografie für Gesprächsstoff sorgte, hat sich in seinem jüngsten Buch dem Greizer Poeten und Kinderbuchautor Günter Ullmann (1946-2009) zugewandt. Ullmann, ein Wegbegleiter Reiner Kunzes, geriet früh ins Visier der DDR-Staatssicherheit, so dass bis zur Wende keines seiner Manuskripte einen Verleger fand. Ullmann wird, wie Scheer beschreibt, in Verfolgungswahn getrieben und in Psychiatrien eingewiesen. Ab 1990 überrascht er mit sehr eigenwilliger Lyrik und wunderbaren Kindergedichten. Er bleibt in Greiz, wo er dem deutschen Vereinigungsprozess kritisch gegenüber steht und im Alter von 62 Jahren stirbt. Udo Scheer stellt seine im Mitteldeutschen Verlag, Halle, erscheinende Ullmann-Biografie "Die Sonne hat vier Ecken" - zugleich der Titel eines Kindergedichts - am 6. März im Unteren Schloss in Greiz vor.

Ebenso gespannt darf man auf die Erinnerungen der Radiomoderatorin Marion Brasch sein, die in ihrem Buch "Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie" auch die Schicksale ihrer oppositionellen Schriftsteller-Brüder und ihres aus dem Londoner Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrten Vaters schildert, der stellvertretender Kulturminister der DDR war. Die Autorin ist am 12. April auf der Literatur- und Kunstburg Ranis zu Gast. Weitere Themen sind die deutsche Besatzungspolitik in Litauen (1941-1944), die der Soziologe Christoph Dieckmann aufgearbeitet hat (1. März, Kleine Synagoge Erfurt), Fluchthelfer im geteilten Deutschland, die Trinkgewohnheiten der Ostdeutschen (Thomas Kochan: "Blauer Würger - So trank die DDR") und der unmenschliche Alltag in der mobilen Pflege. Der Undercover-Journalist Markus Breitscheidel stellt seine Aufsehen erregende Recherche "Gewaschen, gefüttert, abgehakt" am 24. Mai in der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek vor.