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02.07.2002

Neue Lyrik an amutendem Ort

von Martin Straub TLZ

Erfolgreiche Limlingeröde Diskurse

Limlingerode. (tlz) Während die deutsche Fußballnation vor dem Bildschirm saß, feierte man in Limlingerode ein Finale eigener Art. Mit den fünften Limlingeröder Diskursen klangen die diesjährigen Thüringer Literatur- und
Autorentage aus. Am Wochenende bot der Verein Dichterstätte Sarah Kirsch ein vielfältiges und anspruchsvolles Programm. Wie in den vergangenen Jahren stand die Lyrik im Mittelpunkt.
Immer wieder ist man von der Atmosphäre dieses anmutigen Ortes an der Selte berührt, wo das Geburtshaus von Sarah Kirsch steht. Dieses ehemalige Pfarrhaus soll zu einer Begegnungstätte ausgebaut werden. Und das Projekt
hat merkliche Fortschritte gemacht.

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar
Das Motto der Tagung lautete in diesem Jahr Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. Es stammt von Ingeborg Bachmann, deren Werk am zweiten Tag im Mittelpunkt stand. Am ersten Tag gab es Lesmungen von Wulf Kirsten und Annerose Kirchner. Elke Erb war leider aus Krankheitsgründen verhindert. Das Reizvolle an diesem Tage war ein erhellender lyrischer Dialog. Denn Kirsten las nicht nur neueste Gedichte, sondern er äußerte sich auch einfühlsam und genau über Annerose Kirchners Lyrik. Sie habe, sagte Kirsten, schon früh den Ehrgeiz zum bündigen und geschlossenen Gedicht entwickelt.
Dann wurde Elke Erbs Text über Kirstens Lyrik vorgestellt. Diese originelle und sensible sprachliche Analyse öffnete dem Hörer neue Wege zum Gedicht.
Elke Erb spricht darin über Kirstens Geradsinnigkeit und Redlichkeit, von seiner Wiedererweckung der abgetauchten Begriffe. Diese Zwiesprachen waren ein Gewinn für Publikum und Autoren.
Sie zeichneten auch den Bachmann-Tag aus. Ein musikalisch-literarisches Programm von Anke Finkenwirth und Ulrike Müller bot neue Zugänge zu diesem nicht gerade einfachen Werk der Klagenfurterin. Eindrucksvoll Anke
Finkenwirths Vertonungen. Auch diese Programme mit einem anschließenden Vortrag über Leben und Werk haben Tradition in Limlingerode. Sigrid Lange aus Köln machte mit ihren Überlegungen Mut zu eigener Lektüre.
Mit der Verleihung des Kreativpreises an Kunststudenten der Erfurter Universität (TLZ berichtete) endete die Tagung. Im übrigen dokumentiert der Verein in seiner liebevoll gestalteten Limlingeröder Reihe die jeweiligen Beiträge. Pünktlich zu den Fünften Diskursen erschien das vierte Heft. Es lohnt sich, darin zu blättern. Die Sehnsucht hat allemal recht, lautet sein Titel ein Wort einer anderen, mit Thüringen verbundenen Dichterin, der Bettina von Arnim