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13.05.2006

Nagelprobe von nebenan

von Matthias Biskupek Thüringer Allgemeine

Wenn also in der Erfurter ?Schotte? sich ein erstaunlich junges Publikum zu einer Literaturveranstaltung einfinden wird, in der von jungen Leuten Texte junger Leute gelesen resp. gespielt und nur Grußworte und Laudatio von älteren Bürgern vorgetragen werden, so weiß die informierte Öffentlichkeit: Seit nunmehr fünfzehn Jahren ist die einstige allein hessische Jugendliteraturförderung auch für Thüringer junge Talente von 16-25 Jahren geöffnet ? bei manchem Wehklagen über Einheits-Schäden sollte man ein Loblied auf diese trefflich geglückte Vereinnahmung anstimmen. Aus dieser Förder-Veranstaltung ? die zehn Hauptpreisträger erhalten für je eine Kurzgeschichte oder je ein Gedicht immerhin ein Salär, das Berufsautoren nur sehr, sehr selten zuteil wird ? sind in jüngster Zeit die inzwischen anderweitig bepreisten Autoren Daniela Danz und Jan Völker Röhnert hervorgegangen.
Auch in anderen Literatur-Werkstätten in und um Thüringen herum treffen sich immer öfter ins Schreiben vernarrte Leute, die sich auf einer Preisverleihung dieses Jungen Literaturforums erstmals sahen.
Wenn das Jury-Mitglied Dr. Martin Straub vom Verein Lese-Zeichen e.V. heute (morgen) in seiner Laudatio den Vorschlag machen wird, Germanisten Forschungs-Aufträge zu just dieser Literaturförderung zu erteilen, so sollte man an Universitäten aufmerken: Literatur ist nicht nur Goethe und gestern; sie entsteht manchmal direkt neben uns ? und in der Erfurter Schotte wird manches geglückte Stück erstmals zu hören sein.