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20.06.2011

Nachhaltige Landwirtschaft mit skurriler Situationskomik

von Sebastian Deutschmann Ostthüringer Zeitung

Publikumsmagnet der diesjährigen Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis war Dieter Moor. Am Samstagabend las er aus seinem 2009 bei Rowohlt erschienenen Sachbuch-Bestseller „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht. Geschichten aus der arschlochfreien Zone“. Schon im Vorverkauf wurden 200 Karten bestellt. Mehr als doppelt so viele Besucher strömten schließlich auf die Burg. Das eigens aufgebaute Zelt konnte die rund 450 Literaturbegeisterten kaum fassen. Der durch Kultursendungen wie „ttt ? titel thesen temperamente“ bekannte 53-jährige Moderator verarbeitet in seinem ersten Buch seinen turbulenten Umzug von der Schweiz ins brandenburgische Hinterland. Auf satirische Art und Weise führt er den Leser in das Leben eines Biobauern ein und trifft damit den Nerv der Zeit. Dabei scheint vor allem die Verbindung nachhaltiger Landwirtschaft mit skurriler Situationskomik den Publikumsgeschmack zu treffen. Da werden Schrippen im Dorfladen schon mal mit Strippen verwechselt. Der „kleine Schweizer“ im gebürtigen Zürcher Moor beißt sich regelmäßig an der neuen Heimat. Seiner österreichischen Frau und ihm wurde schon mal der Vogel gezeigt, wenn sie Bekannten von ihren Brandenburg-Plänen erzählten. Letztlich konnte Moor verschiedene Vorurteile über den Osten nicht bestätigten. Mit stürmischem Beifall wurden seine Kostproben schweizerdeutschen und brandenburgischen Dialektes bedacht. „Ich habe beim Lesen des Buches schon geschmunzelt, heute habe ich Tränen gelacht“, sagte Beate Hartmann aus Ranis. Den positiven Eindruck teilten auch andere Hörer, die der zweistündigen Lesung trotz wechselhaften Wetters begeistert folgten. „Ich bin extra aus Gera gekommen, um Dieter Moor zu sehen“, berichtete Carolin Wilhelm. Über 200 000 verkaufte Exemplare des Moor- Buches sprechen für sich. Zig weitere Bände setzten die Buchhändler Freitagabend ab. Anke Scheller, Projektleiterin des Lese-Zeichen e.V. auf der Literaturburg Ranis, sagte, dass Moors Lesung „eine der bestbesuchten Veranstaltungen der letzten Jahren“ war. Doch nicht nur Gäste und Veranstalter zeigten sich zufrieden. Auch Dieter Moor war positiv überrascht von seinem „Spitzenpublikum“ und der ausgelassenen Stimmung. Auch die Burg selbst schien ihn zu interessieren. Es waren wieder vier gute Tage im Zeichen von Kunst und Kultur in Ranis. „Wir sind total zufrieden“,resümierte Scheller.