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06.10.2016

„Mythos Nordland“: Jenaer Schau erzählt von Riesen, Trollen und nordischen Göttern

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Die Rudolstädter Künstlerin Barbara Matz-Langensiepen zeigt bis 18. Januar märchenhaft-poetische Bilder unter dem Motto „Mythos Nordland“ in der Villa Rosenthal in Jena.

Jena. Die Natur Islands wie auch Norwegens ist rau und ungebändigt. Starke Winde, zähes Eis, gewaltige Gewässer und schroffe Felsen beschworen schon bei den Menschen zu heidnischen Zeiten tiefsitzende Urängste herauf.

Um sich die unsichere Welt zu erklären, schufen sie eine gewaltige Mythologie, die unter anderem in der "Alten Edda" im 13.?Jahrhundert schriftlich festgehalten wurde.

Die Rudolstädter Künstlerin Barbara Matz-Langensiepen schlug bei ihrer Auseinandersetzung mit der nordischen Mythologie einen ganz ähnlichen Weg ein. Fasziniert von der nordeuropäischen Natur, etwa den in Felsformen zu entdeckenden Wesen wie Riesen und Trolle, begann sie sich mit der dortigen Mythologie zu beschäftigen. "Ich habe drei Jahre gebraucht, um das alles zu verstehen", sagt Barbara Matz-Langensiepen.

Unter der Überschrift "Mythos Nordland" zeigt die Künstlerin seit gestern Abend in der Villa Rosenthal in Jena Ausschnitte aus diesem Schaffenskomplex. Die Schau ist Teil der Reihe "Wortwelten/Bildwelten" des Lese-Zeichen e.V.

Neben den uralten Geschichten, denen man in Matz-Langensiepens Arbeiten begegnet, ist es vor allem ihr Stil, der in den Bann zieht. Mit präzisem Strich erfindet sie urwüchsige Wesen, verschroben und märchenhaft-poetisch zugleich. So trifft man beispielsweise auf den stark zerklüftet dargestellten Urriesen Ymir, der einst von Odin und zwei weiteren Göttern getötet wurde, um aus seinem Körper die Welt zu bauen.

Den mythologischen Darstellungen liegen zwei Dichtungen aus der "Edda" zu Grunde: der Seherin Weissagung und Thors Hammer-Heimholung. Darüber hinaus zeigt Matz-Langensiepen Landschaften sowie digitale Collagen – Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit nordischen Felszeichnungen.

Insgesamt sind 50 Arbeiten zu sehen, Computergrafiken, Feder- und Tuschezeichnungen sowie Aquarelle mit original isländischem Vulkansand.

Wer die Bildwelten von Barbara Matz-Langensiepen sieht, bekommt unweigerlich Lust, die "Edda" kennen zu lernen und gen Norden zu reisen, wie es die Künstlerin seit 20 Jahren tut.

Termine aus dem Begleitprogramm

Begleitet wird die Schau durch ein facettenreiches Rahmenprogramm.

Am 13. Oktober spricht Professor Georg Schuppener über den Missbrauch germanischer Mythologie im Rechtsextremismus.

Der Geraer Pfarrer Michael Kleim diskutiert am 16. November die Beziehung von Mythos und Religion.

Am 30. November folgt ein Kinoabend: Es ist Werner Herzogs Film "Die Höhle der vergessenen Träume" über die südfranzösische Chauvet-Höhle zu sehen.

Über die Verbindung von Mythos und Fantasy-Literatur spricht am 11. Januar Autor Christoph Hardebusch.

Zur Finissage am 18. Januar erzählt Antje Horn nordische Legenden. Beginn: jeweils 19.30 Uhr