Presse - Details

 
09.03.2013

Moritz von Uslar zeigt in Ranis, dass er das Zeug zum Stadtschreiber hat

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

copy: Mario Keim

Ausflug in die Provinz: Der Berliner Autor Moritz von Uslar hat in Ranis gezeigt, dass er das Zeug zum Stadtschreiber hat.

Ranis. Er war kein Stadtschreiber und hatte auch keinen speziellen Auftrag. Dennoch ergründete der Berliner Moritz von Uslar vor ein paar Jahren die ostdeutsche Provinz. Drei Monate ließ er sich in der brandenburgischen Kleinstadt Zehdenick nieder. Seine Eindrücke fasste der Autor und Journalist aus Berlin in dem Buch "Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung" zusammen, das 2010 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Daraus las der 42-Jährige am Donnerstag im Kreis von 30 Zuhörern auf der Burg.

Für sein Buch erhielt von Uslar den Fontane-Preis für Literatur in Neuruppin. In dem Urteil der Jury heißt es: "Moritz von Uslars Deutschboden ist eine Gegenwartsgeschichte, die die WeltFontanes von heute aufsucht, die bislang kaum beschriebene Realitäten aufschließt und die mit Schreibweisen des Realismus Gegenwart und Vergangenheit erkundet. Sie belehrt nicht, sondern ermöglicht Empathie. Sie ist sprachspielerisch, ungewohnt, frech und in ihrer sprachlichen Schnoddrigkeit hintergründig und herzergreifend." Sein Buch sei "eine Mischung aus Roman, Abenteuergeschichte und Sachbuch", sagt der Schriftsteller. Es sei ein Spiegelseiner Affinität für die neuen Bundesländer. "Deutschboden" sei jedoch in erster Linie die Arbeit eines Autors und nicht das Ergebnis journalistischer Arbeit.

Nach seiner 90-minütigen Lesung stand Moritz von Uslar weitere 40 Minuten für Fragen zur Verfügung. Ob er keine Befürchtung habe, die Einheimischen vorzuführen, war eine der kritischen Anmerkungen. Auf eine weitere Frage ließ er wissen, dass in Zehdenick, das im Buch Oberhavel heißt, 450 Interessierte zu seiner Lesung gekommen seien. Die Veranstaltung sei "sehr emotional gewesen" und heute habe er in dem Ort viele Freunde. Die Gespräche während seiner Tätigkeit dort habe er meist mit einem Diktiergerät aufgezeichnet. Die Menschen wussten somit, worauf sie sich einlassen.

Moritz von Uslar gab sich in Ranis als angenehm offener Gesprächspartner. "Mir hat die Lesung gut gefallen. Sicherlich würde ich als Stadtschreiber manches anders angehen und beispielsweise auf einige Zitate verzichten", sagte der amtierende Raniser Stadtschreiber Christian Wöllecke als Gast der Lesung.