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11.11.2002

Mörderisch gute Krimis

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

"Es freut mich, dass ich in Jena sein darf
und dass so viele Gäste hierher gekommen sind. Ich weiß, ich trete gegen harte
Konkurenz an. Immerhin läuft zeitgleich ein ´Tatort´", begrüßte am Sonntagabend
die Krimiautorin Doris Gercke ihre Zuhörer. Die Hamburgerin war im Rahmen des
Lesemarathons in das Jenaer Volkshaus gekommen, um ihren letzten
Bella-Block-Roman "Bella Ciao" vorzustellen und aus ihrem Schriftsteller-Leben
zu plaudern. Zu erzählen hatte sie einiges, denn immerhin hat Doris Gercke eine
Figur erfunden, die aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken ist:
Bella Block. 1988 erschien ihr erster Block-Roman "Weinschröter, du mußt
hängen". Zu dieser Zeit war Doris Gercke 50 Jahre alt.

Als Kind einer Arbeiterfamilie wuchs sie in Greifswald auf, heiratete mit 20 und
widmete ihr Leben Haushalt und Kindern. Doch dann kam mit der Scheidung ein
Schnitt in ihrem Leben. Sie holte das Abitur nach, studierte Jura und entdeckte
die Lust am Schreiben. "´Weinschröter´ war drei Wochen auf dem Markt, da traten
Fernsehproduzenten an mich wegen der Verfilmung des Stoffes heran. Ein Erfolg,
der völlig unerwartet kam", blickt die Autorin zurück.

Schauspielerin Hannelore Hoger alias Kommissarin Bella Block betritt über die
Mattscheibe die heimischen Wohnzimmer. Einige Male noch dienen Gerckes Bücher
als Vorlage für die Drehbücher. "Doch leider habe ich den Anfängerfehler
begangen und die Rechte an der Figur zu billig verkauft", erzählt die Autorin.
Neue Drehbücher wurden geschrieben, die nichts mehr mit ihrer Bella Block
gemeinsam haben: "Sie sind völlig unpolitisch und vermitteln auch nicht die
weibliche Sicht auf die Welt und den kritischen Blick auf unsere Verhältnisse,
der mir in den Büchern so wichtig ist." Einfluss auf die Fernseh-Heldin habe sie
leider nicht mehr.

Die originale Bella Block, die nicht Polizistin wie in der Krimireihe, sondern
ursprünglich Privatdetektiv ist, ermittelt in ihrem zwölften Roman "Bella Ciao"
wieder in Hamburg. Vier junge Frauen stehen ihr diesmal gegenüber. Eine von
ihnen wird ermordet und ins Hamburger Hafenbecken geworfen. Dazu kommt, dass
Bellas eigenes Haus in Blankenese in Flammen steht. Natürlich ist dies kein
Zufall, sondern die Grundidee des letzten Romans. Dazu noch scharfe Kritik am
neuen Hamburger Senat, Einblicke in die Reihen der Polizei, eine Brise Erotik,
der besagte weibliche Blick auf die Welt und fertig ist ein weiterer mörderisch
guter Krimi aus der Feder von Doris Gercke.

Doch der große Erfolg der Bella-Block-Romane ist zugleich auch Last. "Ich war
nicht mehr frei beim Schreiben und habe nicht mehr Bella sondern mich
beschrieben", erzählt sie. Losgelöst von diesem Image ist im März dieses Jahres
"Milenas Verlangen" unter dem Pseudonym Marie-Jo Morell erschienen. Vielleicht
das Ende von Bella Block und der Anfang einer neuen Geschichte?