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16.06.2006

Moderner Palas in Literaturburg

von Sandra Hoffmann Ostthüringer Zeitung

Nach 18-monatiger Sanierung wird neuer Veranstaltungssaal auf Burg Ranis eröffnet

Von OTZ-Redakteurin Sandra Hoffmann Ranis. Modern, offen, leicht und so spritzig wie die Literaturtage. Mit diesen Worten beschrieb Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, den Palas von Burg Ranis. Nach etwa 18-monatiger Sanierung ist der Rittersaal gestern Vormittag präsentiert und der Öffentlichkeit übergeben worden. Noch am Abend wurden hier die 9. Thüringer Literatur- und Autorentage eröffnet.
"Wenn man den historischen, baulichen Bestand den nächsten Generationen weitergeben will, muss man den Häusern einen Sinn, eine Bedeutung, eine Nutzung geben", sagte Dr. Helmut-Eberhard Paulus. Dabei solle die Funktion mit der Architektur im Einklang stehen. Mit der Literaturakademie, die voraussichtlich 2008 im Südflügel ihre Heimat finden wird, und der Marke Literaturburg sei in Ranis ein Akzent gesetzt worden, der weit über die Stadt hinaus strahlen solle und müsse. "Ranis ist für ganz Thüringen die Literaturburg", sagte der Stiftungsdirektor.

Die Burg Ranis sei seit dem Übergang in den Besitz der Stiftung immer ein bisschen belächelt worden, wusste Paulus. Doch die Burg sei ein gutes Beispiel dafür, dass durch Beharrlichkeit etwas bewegt und Ergebnisse erzielt werden können. So habe es bei der Sanierung des Rittersaales große Unterstützung gegeben. Rund 870 000 Euro flossen in das Projekt, wobei fast 400 000 Euro aus Städtebaufördermitteln stammen. Engagiert hatten sich unter anderem auch der Raniser Verleger Hans Westerheide, Siegfried Schmidt vom Förderkreis Burg Ranis und Dr. Martin Straub, Geschäftsführer des Vereins Lese-Zeichen.

Noch vor zwei Jahren sei der Palas nicht sehr versprechend, eher entmutigend gewesen, erinnerte sich Dr. Helmut-Eberhard Paulus. Nun ist das historische Gebäude saniert und zu einem modernen, multifunktionalen Saal ausgebaut. In der davor befindlichen Garderobe hat sich der Architekt Anton Spindler aus Saalfeld mit zwei Wänden aus Glasbausteinen selbst verwirklicht. "Die Wände sollen dem Treppenaufgang zur Galerie und die Garderobe abschirmen, gleichzeitig den Weg führen, transparent und hell sein", erläuterte der Architekt.

"Wir sind froh, dass die Übergabe des Saales mit der Eröffnung der Literatur- und Autorentage zusammenfällt und wir die ersten Nutzer des Saales sind", sagte Dr. Martin Straub. In Ranis sei ein zwar wenig diskussionsfreudiges, aber sehr genau zuhörendes Publikum zu finden. Zudem könnten hier literarische Genre angeboten werden, die öffentlich nicht so stark im Gespräch seien. Möglich sei das zum Einen, weil die Stadt kein kulturelles Zentrum sei und kaum zeitgleich Veranstaltungen stattfinden. Zum Anderen hätten sich hier in den vergangenen acht Jahren Traditionen etabliert. Dazu gehören neben den Literatur- und Autorentagen die monatlichen Lesungen und die Sommerwerkstatt, die eine Ausstrahlung bis weit nach Hessen hinein habe, erklärte Dr. Martin Straub.

Für die Stiftung sei es ein Glücksfall, im Lese-Zeichen e.V. und in der Literaturakademie Partner gefunden zu haben, sagte Dr. Helmut-Eberhard Paulus. Die Stiftung stelle die Atmosphäre zur Verfügung, die vor allem Künstler benötigen.In Ranis ist die Literaturszene zu finden, die dort anfängt, wo Weimar aufhört.

Dr. Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten