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08.09.2007

Mit Unwetterwarnung in die Herbstsaison

von Anke Scheller Ostthüringer Zeitung

"Song for Hubert" bald ein echter SongWer den Donnerstagabend auf der Burg Ranis verpasst hat, bekommt am 1. November noch einmal die Chance, André Schinkel zu erleben. Dann wird er mit drei weiteren Autoren zu hören sein, an einem Abend der sich ganz der Schmiede und seinem Besitzer widmet. Dann wird man Schinkels Gedicht "Song for Hubert" auch in der Vertonung von Andreas Berner hören können.André Schinkel verabschiedet sich mit Lyrik fürs Volk, Friederike Kenneweg kommt mit Prosa
Von Anke Scheller Ranis. Am Donnerstagabend fanden sich rund 50 Leute auf der Burg Ranis ein, um nach der Sommerpause wieder der schrei- benden Zunft zu lauschen. Es war der Abend des André Schinkel, Stadtschreiber 2006 von Ranis. In dem Jahr seiner Amtszeit hat er sich in die Herzen der Raniser geschrieben. Er hat sich in der kleinen Stadt als trinkfester Lyriker, der Gedichte fürs Volk schreibt, einen Namen gemacht.
In seinem verheißungsvoll klingenden Buch "Unwetterwarnung" finden sich eindrucksvolle Zeilen. Sie erfassen die Stimmung des Ortes, sprechen eine deutliche Sprache. Jeder Raniser begreift, was gemeint ist. Die humorvolle Art und Weise, mit der der Hallenser seine Eindrücke wiedergibt, hat bei den Zuhörern mehr als einmal ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert, aber auch lautes Gelächter hervorgerufen. Schinkel hat seine Umgebung sehr genau beobachtet. So wird von den großen Dingen gesprochen, der allmächtigen Burg, der Ilsenhöhle, dem Gerichtsstein, aber auch von kleinen schwarzen Eichhörnchen. Nicht vergessen wird eine der wohl wichtigsten Institution in Ranis, die Schmiede mit dem "titanengleichen" Wirt Hubert. Dieser hat bei Schinkel einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass der Dichter Hubert Weiße einen "Song for Hubert" widmete.

Mit der Vorstellung seines Ranis-Buches verabschiedete sich André Schinkel von den Ranisern und übergab den symbolischen Stadtschreiber-Staffelstab an die Nachwuchsautorin Friederike Kenneweg, welche sich mit Kurzprosastücken vorstellte. Ihre unverbrauchte Art und Weise beeindruckte nicht nur die Jury, die Kenneweg zur Stadtschreiberin gewählt hat, sondern auch die Gäste am Donnerstagabend. Sie hörten die Gedanken und die Wahrnehmung einer jungen Frau, die dabei ist, im Leben anzukommen. Man sieht die Welt mit ihren Augen und ist überrascht, dass so manche Dinge, die achtlos an uns vorrüberziehen, wieder in unser Blickfeld, in unser Bewusstsein gebracht werden. Man darf gespannt sein, wie sie ihre Raniser Zeit nutzen wird, und es ist vorstellbar, dass in Zukunft nicht nur ältere Leute den Weg auf die Burg Ranis finden werden. Denn die Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen spricht vielleicht einmal mehr junge Leute an, beschreibt deren Sicht auf die Dinge, spricht ihnen aus dem Herzen.

Friederike Kenneweg braucht sich nicht zu fürchten vor den Fußstapfen, die André Schinkel hinterlassen hat. Sie wird ihren eigenen Weg gehen.