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14.06.2002

Mit spitzer Feder und Zunge

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Mit spitzer Feder und Zunge

Matthias Biskupek kann schon auf ein verrücktes Leben zurückblicken. Und auf ebenso verrückte Texte aus seiner spitzen Feder, bei denen eine Pointe die nächste jagt und die das Herz immer wieder erwärmen: "Meldestelle für Bedenken" (1981), "Leben mit Jacke" (1985), "Der Bauchnabel und andere schöne Mittelpunkte einer Reise zu zweit" (1986), "Streitfall Satire" (1988), "Wir Beuteldeutschen" (1991), "Das Fremdgehverkehrsamt" (1992) und viele mehr.

Von seiner schriftstellerischen Spitzfindigkeit können sich die Zuhörer heute Abend, 19.30 Uhr auf Burg Ranis überzeugen. Mit "Jazz und Lyrik im Burgkeller" wird er die Thüringer Literatur- und Autorentage vom 14. bis 30. Juni eröffnen.

Aber Matthias Biskupek (51) tritt nicht allein auf die Bühne. Róza Domacyna, Schriftstellerin aus Bautzen, wird sich mit ihm auf der Burg ein lyrisches Tête-à-tête geben. "Was wir da genau lesen, das entscheidet sich ganz spontan", erzählt Matthias Biskupek. Umrahmt wird der Abend mit Jazzmusik von Ernst Bier am Schlagzeug, Günter Saalmann an der Posaune und Helmut Joe Sachse an der Gitarre. "Helmut Joe Sachse ist nicht irgendein, sondern der Jazz-Gitarrist schlechthin", rührte Martin Straub vom Lesezeichen e.V. und Mitvertanstalter der Autorentage vorab nochmals die Werbetrommel.

Sicher wird Matthias Biskupek heute Abend seine neue CD "Dreistes Gesamtkunstwerk" vorstellen, die er mit Joe Sachse gemeinsam produziert hat - 27 Stücke, davon zwölf Musikstücke. "Entstanden ist die CD aus abstrakten Bildern von Andreas Berner, zu denen Joe die Musik und ich die Texte geschrieben habe", erläutert Matthias Biskupek. Eine Kostprobe daraus gibt es heute Abend auf die Ohren.

Wer sich etwas mit Matthias Biskupek beschäftigt, dem fällt seine unglaubliche Biografie auf. Vom Diplomingenieur für Kybernetik über Dramaturg am Theater und Texter beim Geraer Kabarett zum freien Schriftstller - und das alles weit vor der Wende. "Ich habe eine echte DDR-Biografie. Wir haben ja alle neben dem Abitur einen Beruf gelernt. Die Hälfte wurde Rinderzüchter, die andere Maschinenbauer. Ich wurde Maschinenbauer", erzählt der Wahl-Thüringer. In Magdeburg führte ihn sein Faible für das Schöngeistige - als Ausgleich zum Studium, wie er es nennt - in ein kleines Kellertheater, wo er begann, Texte zu schreiben und zu sprechen.

Der nächste Zufall brachte ihn nach Rudolstadt, wo er bis heute hängen geblieben ist. Von einigen Unterbrechungen abgesehen. "Früher kannte ich Thüringen gar nicht. Aber ich bekam nach der Hochschule eine Absolventenverpflichtung als Ingenieur im Chemiefaserkombinat Rudolstadt." Das ansässige Kabarett "Dickhäuter" suchte zu jener Zeit dringend Mitstreiter. Natürlich konnte der gebürtige Sachse nicht Nein sagen.

Der Weg zum Theater war dann nicht mehr weit - auch ohne Ausbildung in Theaterwissenschaft, Dramaturgie oder ähnlichem. Von 1979 bis 1983 textet er mit spitzer Zunge für das Geraer Kabarett "Fettnäppchen". In jener Zeit begann der Autor für den "Eulenspiegel" zu schreiben - ebenfalls eine Aufgabe, die er bis heute jeden Monat beibehalten hat.

Richtig freischwimmen konnte sich der Schriftsteller 1984 mit seinem Sprung in die Selbstständigkleit. Und seitdem ist der Rudolstädter ständig beschäftigt, neue Bücher und Rundfunkfeatures zu verfassen, aus seinen Stücken zu lesen und feste Kolumnen in Zeitschriften und Zeitungen zu veröffentlichen.