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14.12.2002

Meister der Märchenerzählkunst

Ostthüringer Zeitung

Ranis (OTZ/U.R.). Die Verwandlung ist perfekt. Andreas vom Rothenbarth hat nicht nur sein dunkles sternenbesetztes Gewand und seinen Magisterhut auf. Er geht mit seinen 30 Zuhörern im Gasthof "Zur Schmiede" schon zum dritten Mal im Advent auf eine Märchenzeitreise in die Welt der Fantasie.

Zunächst entführt vom Rothenbarth seine Gäste ins ferne Island, dorthin, wo die Märchenerzählkunst eine 1000 Jahre alte Tradition hat und wo doch sehr pragmatisch um die Gunst der Märchenprinzessinnen gerungen wurde. Prinz und Prinzessin finden allerdings auch im kalten Norden schließlich zueinander.

Die Isländer lebten Jahrhunderte fernab des Königs von Dänemark, womit der doch recht derbe Umgang mit Autoritäten zu erklären ist. Dass der König einen seiner Untertanen für ein goldenes Schachspiel am Hintern küssen muss, die Königin für ein goldenes Diadem mit dem Burschen ebenso schlafen muss wie die Prinzessin für eine goldene Kette, ist den mitteleuropäischen Märchenerzählern der vergangenen Jahrhunderte und den Märchenautoren nicht einmal in den Sinn gekommen. Die Pointe der Geschichte: der König gibt, um sich nicht selber blamieren zu müssen, dem gewieften Burschen seine Tochter zur Frau.

Vor der kleinen Pause macht vom Rothenbarth noch einen kleinen Zwischenstop in dem Land, das die Isländer früher aufgrund der Nähe "am liebsten überfallen haben"- Irland. Vier Burschen werden in ein fantastisches Abenteuer mit dem Tod, der Welt und der Jugend, die wie jeder weiß vergänglich ist, verwickelt.

Nach der Pause erscheint Andreas vom Rothenbarth im arabischen Gewand. Mit seiner sonoren Stimme und der Gabe, ein wirklicher Meister der Märchenerzählkunst zu sein, geht die Reise weiter nach Ägypten, wo wieder ganz andere Weisheiten auf das geneigte Publikum warten. Die meisten Zuhörer sind mit dem Kern der Geschichten, in denen es oft um die Liebe geht, vertraut.

Andreas vom Rothenbarth hat sich die Märchen ausgesucht, an deren Ende man herzhaft lachen kann, aber auch nachdenklich wird, ob einem so etwas ähnliches schon wiederfahren ist. Alle Zuhörer sind dankbar dafür.