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18.08.2012

Martin Stiebert las Klassiker im Nationalparkzentrum

von Charlotte Jadke Thüringer Allgemeine

Seit einiger Zeit treten Martin Stiebert und das Trio Klatschmohn - Judit Rotter (Violine), Eszter Rotter (Piano) und Heike Besen (Sousaphon/v.li.) auf. Vermittelt wurde die Partnerschaft vom Verein Lese-Zeichen. Foto: Charlotte Jadke

 

"Die Poesie der Wolken" - so lautete der Titel des jüngsten Literatur- und Musikabends im Nationalpark Hainich. Bereits im dritten Jahr erfreut sich diese Reihe, die von der Baumkronenpfad-Betreibergesellschaft Reko ins Leben gerufen wurde, großer Beliebtheit. Und keiner der Gäste zweifelt mehr daran, dass Literatur und Musik untrennbar miteinander verbunden sind.


Hainich. Das Programm des Thüringer Damen-Salon-Trios "Klatschmohn" und des Philosophen Martin Stiebert lieferte eine gelungene Abwechslung zwischen musizieren und interpretieren. Das Trio "Klatschmohn" mit Heike Besen am Sousaphon, Judith Rotter an der Violine und Eszter Rotter am Piano musizierte nicht nur zusammen, die drei Damen überraschten auch das Publikum mit einem mehrstimmigen Gesang.

Mit viel Humor, Witz und vollem Körpereinsatz zauberten sie den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht. Auch Martin Stiebert zog durch seine sehr gefühls- und ausdrucksvolle Lesung die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich.

Das Trio, welches nächste Woche sein zweijähriges Bestehen feiert, hatte mit Martin Stiebert zwar erst seinen vierten Auftritt - die Harmonie war aber deutlich zu spüren. Zusammengebracht wurden die Künstler auf Vermittlung des Vereins Lese-Zeichen aus Jena.

"Wir wurden gefragt, ob wir Lust hätten, eine musikalische Lesung zusammen mit Martin Stiebert zu machen. Daraufhin setzten wir uns mit ihm in Verbindung und klärten telefonisch den Ablauf des Programms ab", so Heike Besen. "Martin Stiebert kannte unser Arrangement und hatte schon eine genaue Vorstellung davon, welche unserer Stücke zu seiner Vorlesung passen könnten."

Martin Stiebert bezeichnet sich selbst als Sprechsteller, wie sich auch schon der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky nannte. Seit den neunziger Jahren hat er sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen Dichtern aus unserer klassischen Zeit - Goethe, Schiller bis Enzensberger - durch Vorlesungen nahe zu bringen. "Schon als kleines Kind begeisterten mich Bücher. Ich hatte die Neigung, mit meiner Leidenschaft zur Literatur an die Öffentlichkeit zu gehen und nicht mehr einsam in meinem Studierzimmer zu sitzen", warf Stiebert einen Blick zurück in seine Vergangenheit.

Auf die Frage, ob er denn selber auch Gedichte schreibt, sagte er: "Es gibt schon so viel Gutes. Ein Wunder, dass es doch immer wieder Menschen gibt, die die Begabung haben, wieder neue Worte zu finden." Er selber bediene sich aber lieber der Werke anderer Menschen. Neben dem Trio "Klatschmohn" tourt Martin Stiebert mit Philharmonikern durch Kindergärten in Jena, um auch die ganz Kleinen mit Literatur vertraut zu machen.

"Mein Wunsch wäre es, nächstes Jahr einmal auf der Plattform des Baumkronenpfades im Hainich eine musikalische Lesung zu veranstalten. Sozusagen in den Lüften zu lesen." Das war Stiebert bislang noch nicht vergönnt, obwohl er schon zu Gast im Nationalparkzentrum war.

Neben dem Thema Natur beschäftigt sich Stiebert mit anderen Themengebieten. Doch an Orten, wo Naturprogramme gefragt sind, war das Programm mit dem Titel "Die Poesie der Wolken" im Hainich genau das richtige. Nur den Wolken kam Martin Stiebert nicht so nah wie erhofft. Aber das kann sich bei seinem nächsten Besuch ja ändern. Dann würden Literatur und Musik auch durch die Baumwipfel im Hainich klingen. Vorausgesetzt, dem Künstler ist beim nächsten Auftritt eine laue Sommernacht beschert.