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21.09.2004

Manuskript unterm Arm

von Frank Quilitzsch TLZ

Estnische Autoren wandern mit Thüringern im Hainich

Jena/Bad Langensalza. (tlz) Was geschah infolge des Untergangs der "Estonia"? Die estnische Autorin Mari Saat beschäftigt sich mit dem Fährunglück vom 24. September 1994, bei dem 852 Menschen den Tod fanden, in ihrem Roman "Engel sehe ich tanzen im Wind". Die Gedanken der Ich-Erzählerin kreisen um den Verlust des Geliebten und Kindesvaters, ziehen aber auch Fragen über Lebensinhalte, Heimat und Kunst nach sich. Heute Abend wird sie in Jena öffentlich aus dem in Deutschland noch weitgehend unbekannten Werk lesen.

Mari Saat weilt mit ihrer estnischen Kollegin Asata Póldmäe und der Übersetzerin Irja Grönholm auf Einladung des Thüringer Schriftstellerverbandes im Freistaat. Seit Jahren pflegt der Verband enge Beziehungen zu Schriftstellern in Osteuropa. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts und der Thüringer Staatskanzlei waren bereits Autoren aus Ungarn, Tschechien und Polen in Thüringen zu Gast, worauf Gegenbesuche erfolgten.

Die Doppellesung mit Mari Saat und Asata Póldmäe findet auf Initiative des Lese-Zeichen e. V. in Zusammenarbeit mit dem Collegium Europaeum Jenense der Universität Jena statt. Ferner sind die estnischen Autorinnen und ihre Übersetzerin am kommenden Wochenende gemeinsam mit Thüringer und hessischen Schriftstellern auf "Manuskriptwanderung" im Naturschutzgebiet Hainich unterwegs. Von Freitag bis Sonntag wollen die 25 Teilnehmer nicht nur die Region erkunden, sondern auch Kontakte pflegen und Manuskripte diskutieren. Am Sonnabend gibt es eine öffentliche Lesung in Bad Langensalza mit Landolf Scherzer, Antje Babendererde und Felizitas Kretschmann. Dazu spielen Musiker der Stadt.

! Estnische Autorenlesung: heute, 19 Uhr, Schillers Gartenhaus in Jena (Schillergässchen 2); Thüringer Autorenlesung: Sonnabend, 19.30 Uhr, Frederikenschlösschen Bad Langensalza