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23.05.2011

Märchenstunde in Lemnitz

von Peter Cissek Ostthüringer Zeitung

Rund 25 Gäste hören bei Wein und wärmenden Feuerkörben vor dem Schloss Lemnitz dem Erfurter Märchenerzähler Andreas vom Rothenbarth zu. Foto: Peter Cissek

Die Atmosphäre sei eine ganz andere, stellte Irina Schmidt fest: "Man sitzt hier mit mehreren Menschen zusammen im Freien und lässt sich Märchen erzählen."

Lemnitz. "Das ist nicht mit dem selbst Lesen eines Märchenbuches zu vergleichen", zog die Erzieherin und Heilpädagogin aus Krölpa in einer Pause Zwischenbilanz.

Mit weiteren 25 Gästen hörte sie am Freitagabend vor dem Schloss Lemnitz erotische "Märchen für Verliebte", die Andreas vom Rothenbarth vortrug. "Im Fernsehen dienen Märchen mehr der Unterhaltung. Der Märchenerzähler erinnert dagegen an die Ursprünge des Märchens. In früheren Zeiten spielte das Erzählen von Geschichten eine ungleich größere Rolle als heute", freute sich Märchenbuchsammlerin Irina Schmidt über den gelungenen Abend.

Damit sprach sie Andreas vom Rothenbarth aus der Seele. Der Erfurter Diplom-Informatiker und frühere Software-Entwickler vom Jahrgang 1957 hatte Jahre lang die Grenzen und Möglichkeiten moderner Informationstechnologien kennengelernt. "Umso lieber ist mir die ursprüngliche Form der Kommunikation, das Erzählen von Geschichten zwischen Menschen, die einander dabei in die Augen sehen", erklärte er auf der Veranstaltung des Gabelentz-Vereins in Lemnitz. Seit frühester Jugend treibe ihn die innige Liebe zu Märchen und Erzählsituationen. Folgerichtig habe das Märchenerzählen den praktizierenden Informatiker mehr und mehr verdrängt. "Inzwischen konzentriere ich mich ganz auf Märchen, weil ich diese Arbeit für wichtiger halte." Das Erzählen sei für ihn die Urform der Kommunikation, die zugleich beständiger und wichtiger als Internet, Handy und Fernsehen sei, weil sich dabei stets lebendige Menschen aufeinander einlassen.


Die Zuhörer haben auch in anderer Hinsicht einen märchenhaften Abend erlebt. Wegen eines aufziehenden Gewitterregens hätte die Veranstaltung beinahe ins Schloss-Innere verlegt werden müssen. "Letztlich haben wir uns doch dazu durchgerungen, die Märchenstunde im Freien zu verbringen", sagte Yvonne Lieder vom Lemnitzer Gabelentz-Verein. Bei einem Glas Wein im Schein der wärmenden Feuerkörbe ließen sich die Besucher von Andreas vom Rothenbarth derart verzaubern, dass selbst ein kurzer Nieselregen nicht störte.

"Das Märchenerzählen ist eine Kunst. Andreas vom Rothenbarth liest nicht vor, sondern kennt seine Märchen auswendig", zeigte sich die Neunhofener Kinderbuchautorin Verena Zeltner begeistert.