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15.08.2002

Märchen geben Halt und Hoffnung

von Martin Straub Pressemappe Tourismus GmbH

Seit acht Jahren veranstaltet der Lese-Zeichen e.V. die Märchentage in Thüringen. Zweifellos hat dieses Märchen- und Sagenfest durch die vorjährigen Bechstein-Ehrungen der Stadt Meiningen mit der Vegabe des Märchenpreises, dem Schreibwettbewerb für Kinder, dem Märchen-Symposium und durch den vielfältigen Veranstaltungsreigen eine neue Dimension gewonnen.Der Lese-Zeichen e.V. hat durch die Zusammenarbeit mit dem Meininger Kulturreferat und der Thüringer Tourismus GmbH. viele neue Märchenfreunde gewinnen können.
Immer wieder werden wir gefragt, wo liegen die Gründe für diese Renaissance des Märchenerzählens? Warum kommen auch immer mehr Erwachsene in die Veranstaltungen? Es sind bei Leibe keine nostalgischen Gründe, wie mancher meinen mag. Sondern es ist wohl eher eine Reaktion auf Zeitumstände. In einer Welt der Bilderfluten und in Zeiten großer Verunsicherungen, eines Verlustes an zwischenmenschlichen Werten kann das Märchen Halt und Hoffnung geben. Wie arm wären wir doch dran, hätten wir sie nicht, diese uralten und immer wieder neuen Geschichten vom "Tapferen Schneiderlein", von "Jorinde und Joringel", vom "Singenden, springenden Löweneckerchen". Uns fehlte die "lebenswichtige Grundüberzeugung vom Sieg des Guten über das Böse" und unsere Phantasie wäre "verkümmert", schrieb einmal Christa Wolf. Und sie bedenkt: "Eine Welt, die nicht zur rechten Zeit verzaubert und dunkel war, wird, wenn das Wissen wächst, nicht klar, sondern dürr. Fad und unfruchtbar sind die Wunder, die man seziert, ehe man an sie glauben durfte." Damit sagt wohl Christa Wolf auch etwas über den Umgang mit Märchen.
Wir brauchen also dieses "Es war einmal...". Wir brauchen es zumal in 'Pisa-Zeiten'. Denn die Märchen geben Impulse zu einer ganz eigenen Aneignung und Zeitübersetzung. Sie regen die Phantasie an, sie provozieren Fragen und Urteile. Märchen rufen die gegensätzlichsten Emotionen hervor und lehren damit umzugehen. Nicht nur mit Freude, auch mit Trauer und Schmerz.
Nicht zuletzt denken wir auch an die Märchen anderer Völker. Um mit ihnen zu zeigen, wie verschieden Völker sind und wie ähnlich wiederum die menschlichen Probleme und Konflikte in entfernten Welten.
Der Lese-Zeichen e.V. ist froh, bei der Verbreitung dieser Anliegen viele Verbündete gewonnen zu haben. Die Veranstalter auf den Burgen und Schlössern, Lehrer in den Schulen und Bibliotheken. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die Stiftung Werimarer Klassik und das Kulturreferat in Meiningen oder die Stadt Weißensee. Gedankt sei an dieser Stelle dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst für die Förderung und der Thüringer Tourismus GmbH. und der TLZ für ihre ideenreiche Arbeit.
Sagen wir es so. Denkfabrik Thüringen heißt ein Werbeslogan. Wie öde wäre diese Fabrik, wäre nicht Thüringen zugleich ein Land mit reicher Kultur, ein Land mit seinen Märcherzählerinnen und-erzählern.

Martin Straub
Geschäftsführer des Lese-Zeichen e.V.