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31.10.2002

Märchen bevölkern Schlösser, Sagen verstopfen die Autobahnen

TLZ

Thüringer Märchen- und Sagenfest - zweite Auflage

Dass der Run auf ein sagenhaftes Ereignis sogar Autobahnen verstopfen würde, damit haben wohl weder die Organisatoren des Open-Air-Spektakels Drei(n)schlag auf den Drei Gleichen noch die Thüringer Tourismus GmbH gerechnet, die das Thema "Sagenhaft" in den Mittelpunkt des Touristischen Marketings für 2002 gestellt hat. Ganz so spektakulär wie zum Drei(n)schlag wird es nicht bei allen Veranstaltungen des Thüringer Märchen- und Sagenfestes zugehen, stimmungsvoll jedoch schon, denn eingeladen wird auf Burgen und Schlösser, an mythische und mystische Orte.

In der Region um Meiningen sind die Märchenerzähler wiederum zu jener Zeit zu finden, in der die Sonne tiefer steht und beginnt mit ihren Strahlen zu geizen und in der man sich auch damals in den geheizten Stuben versammelte, als die Märchen durch die mündliche Tradition an die nächste Generation weitergegeben wurden.

Um diese Tradition der mündlichen Überlieferung wiederzubeleben, wird in den Veranstaltungen in und rund um Meiningen sehr viel Wert auf das Gemeinschaftserlebnis des Zuhörens und auf professionelle Märchenerzähler gelegt. In der Märchenhöhle der Stadt- und Kreisbibliothek erzählt Frau Holle am 14. November und am 12. Dezember Märchen von Wilhelm Hauff.
Nachdem im letzten Jahr der Meininger Märchendichter Ludwig Bechstein im Mittelpunkt des Märchenerzählfestes stand, soll in diesem Jahr Wilhelm Hauff, dessen Geburtstag sich am 29. November zum 200. Mal jährt, besondere Aufmerksamkeit zukommen.
Junge, an der Hochschule der Künste ausgebildete Erzählerinnen, die unter dem Label "Fabula Drama" auftreten, laden am 1. November auf Schloss Landsberg und in Welt der Hauffschen Kunstmärchen ein. Ob nun liegend, stehend oder sitzend, in jedem Fall aber professionell fabulierend, werden die Damen noch einmal am 9. November auf der Johanniterburg in Kühndorf mit Märchen der Gebrüder Grimm über Liebe und Tod zu erleben sein. Die Frauen von "Fabula Drama" sind allesamt Schülerinnen von Kristin Wardetzky, der Preisträgerin des Thüringer Märchen- und Sagenpreises, der im letzten Herbst auf Schloss Landsberg erstmalig verliehen wurde. Der zweite Preisträger des Thüringer Märchen- und Sagenfestes wird im November 2003 gekürt.

Aber nicht nur die Erzählerinnen von "Fabula Drama" nehmen sich der Geschichten des Märchendichters des Jahres, Wilhelm Hauff, an. Am 24. Oktober hatte am Meininger Theater "Die Geschichte vom Kalifen Storch" von Frank Anders nach Wilhelm Hauff Premiere. Erzählt wird nicht nur im Sinne der mündlichen Überlieferung, sondern mit allen Mitteln der Bühnenkunst.

Auch in diesem Jahr geben sich die Veranstaltungen zum Märchen- und Sagenfest durchaus international. Sabine Kolbe gibt am 3. November im Turmcafe von Schloss Elisabethenburg einen Einblick in die Französischen Feenmärchen, die u. a. als Quelle für die durch die Gebrüder Grimm in Deutschland bekannt gemachten Märchen, wie z. B. das "Vom Aschenputtel", zu betrachten sind.

Als besonderes Ereignis des Märchenfestes in der Region Meiningen dürfte die Einladung zu "Jüdischen Märchen und koscheren Speisen" in das Romantikhotel "Sächsischer Hof' gelten. Der ukrainisch-jüdische Dichter Alexander Kostinskij bringt Geschichten aus dem jüdischen Schtettl mit. Sie sind ebenso anekdotisch verspielt und burlesk wie voll Traurigkeit über diese vergangene Welt.
Alexander Kostinskij ist eine Doppelbegabung und gibt uns von der Poesie nicht nur in seinen Geschichten zu kosten. Seine farbigen Zeichnungen erinnern von Ferne an Marc Chagall und besitzen in ihrem spielerischen Umgang mit dem Surrealen doch einen unverwechselbaren Stil. Der Abend des 30. November beginnt im Romantikhotel "Sächsischer Hof' mit der Eröffnung einer Kabinettausstellung des Künstlers. Abgerundet wird das Ganze durch die Kochkunst von Chefkoch Christian Heullader, der an diesem Abend natürlich koschere Speisen serviert. Dieser Höhepunkt des Märchenfests in Meiningen steht am Beginn der Vorweihnachtszeit.

Natürlich lädt die Meininger Hütesholle wieder an drei Sonntagen im Winter ins Gasthaus "Schlundhaus" zu Geschichten und Sagen aus der Region für Kinder ein.
Und wenn sie die Betten schüttelt, wer weiß, dann schneit es vielleicht wirklich wie im letzten Jahr.

Margarete Möckel, eine Märchenoma wie man sie sich vorstellt, erzählt am 21. Dezember Weihnachts- und Wintermärchen für Erwachsene und Kinder ill Kaminzimmer im Gasthof "Schlundhaus". Nach dieser gemütlichen Runde sollten alle kleinen und großen Märchenfreunde nicht versäumen, den Märchenkalender an der Fassade der Stadt- und Kreisbibliothek zu bewundern, wo jeden Tag um 17 Uhr ein neues Fenster geöffnet wird. Spätestens jedoch wenn am Weihnachtskalender mit den Märchenmotiven das letzte Fenster geöffnet wird und sich die Tür des Hauses zu einem Märchenspiel für Kinder öffnet, dann ist es für all die aufgeregten kleinen Märchenfans soweit - es ist Weihnachten.