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02.09.2011

Lyrikerin Annerose Kirchner wird 60

von Frank Quilitzsch TLZ

Die in Gera lebende Schriftstellerin Annerose Kirchner liebt die Handwerkspoesie. Foto: Gerlach

Sie liebt die leisen Töne und ist eine leidenschaftliche Chronistin. Mit ihren Gedicht- und Reportagenbänden hat sie der thüringischen Landschaft und traditionellen Handwerken ein Denkmal gesetzt. Gera. "Ich lebe mit euch, / aber keiner sieht, wie ich tanze, / keiner hört mich, wie ich singe dieses Lied ..." Gerade weil ihre Lyrik so leise und verletzlich daherkommt, hat man sie schon früh wahrgenommen: Als in der Edition Neue Texte des Aufbau-Verlags ihr Gedichtband "Mittagsstein" erschien, war Annerose Kirchner 28. Der eigenwillige Ton, ihre landschaftliche Gebundenheit und ihr Interesse für Handwerksberufe mochten Wulf Kirsten, ihren Förderer, für ihre Poesie eingenommen haben. Die gebürtige Sächsin ist im Thüringer Wald in Zella-Mehlis aufgewachsen und hat am Literaturinstitut "Johannes R. Becher" in Leipzig studiert.


Mit "Werkstätten" war bereits im ersten Buch ein Zyklus überschrieben, in dem sie selten gewordene Berufe wie Schuster, Scherenschleifer, Seilermeister und Weichenschlosser erkundete. Später veröffentlichte sie, die einige Jahre als Tastomatensetzerin in einer Zeitungsredaktion tätig war, Bände mit Handwerkerporträts und Künstlerbücher. Sie verdiente ihr Geld als Dramaturgin am Geraer Theater, nahm an internationalen Poesiefestivals teil und arbeitete lange an ihrem zweiten Lyrikband, der 1989 unter dem Titel "Im Maskensaal" erschien.


Als freie Autorin machte sie nach der Wende die Erfahrung, dass man von Poesie allein nicht leben kann. So verdient sie sich mit Literaturkritiken für die Ostthüringer Zeitung ein Zubrot, schrieb weiter Gedichte, die 2001 in dem Band "Keltischer Wald" erschienen, und Reportagenbücher wie "Der Rausspeller" (1999) oder "Traumzeit an der Geba. Geschichten aus Thüringen" (2005).


Längst hat sie ihr Thema gefunden: der Mensch in der sich wandelnden dörflichen Welt. Ihr erfolgreichstes Buch ist 2010 im Berliner Ch.Links-Verlag erschienen: "Spurlos verschwunden. Dörfer in Thüringen - Opfer des Uranabbaus". Annerose Kirchner hat für ihre akribischen Recherchen Zeitzeugen aus Gessen, Schmirchau, Lichtenberg, Culmitzsch, Katzendorf und Sorge befragt und deren Schicksale ins kollektive Gedächtnis eingespeist. "Die durchwanderten Täler im Rücken, / heb ich die Dörfer auf meinen Spann / und trag sie ins Haus", singt sie, die heute 60 Jahre alt wird, noch immer.