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08.02.2014

Lyriker José F.A. Oliver in Ranis zu Gast

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

José F.A. Oliver (Foto) während der Lesung auf der Burg Ranis. Der Lyriker aus dem Schwarzwald war hier am Donnerstag (6.2.2014) zu Gast. Foto: Mario Keim

Wandler zwischen den Sprachen: Lyriker José F.A. Oliver trägt in Ranis Gedichte und Essays vor.

Ranis. Kann man Gedichte tanzen? Genau wie er einen Teil seiner Gedichte singt, überraschte José F.A. Oliver am Donnerstag in Ranis mit der Nachricht, dass in der weltberühmten "Sydney Opera House" bereits zu Gedichten aus seiner Feder getanzt wurde.

Am Donnerstag war der 52-jährige Lyriker und Essayist in Ranis zu Gast und bot den 30 Zuhörern eine unterhaltsame Stunde. Der Mann aus dem Schwarzwald mit andalusischen Wurzeln gilt als ein Schreibnomade auf steter Wörterreise. Ägypten, Spanien, Slowakei, Schweiz, Niederlande und weitere Länder und dabei immer wieder zurück zum Ausgangspunkt, verbringt Oliver mit dem Schreiben seiner Gedichte.

"Ich fange an zu schreiben, wenn ich berührt werde", sagt er über seine Tätigkeit und genau diese berührende Stimmung erlebten die Besucher in Ranis. Dabei trägt er seine Gedichte nicht bierernst vor, sondern moderiert mit angenehmer Leichtigkeit und Nähe zum Publikum.

Der Mann, der mit seinen Eltern aus Andalusien (Spanien) als Gastarbeiter in eine 5600-Seelen-Gemeinde kam, in der er noch heute zu Hause ist, habe zunächst andalusisch, später alemannisch gelernt. "Hochdeutsch war meine erste Fremdsprache", sagte Oliver, der seine aufmerksamen Zuhörer einlud, einfach in sein Werk einzutauchen:

Seine Gedichte entstehen in der Stimmung zwischen Alltag und Sehnsucht, gern schreibt er Liebesgedichte, die auch in Ranis einen großen Teil ausmachten. Weil José F.A. Oliver die Worte abklopft, um ihnen einen Laut wiederzuschenken, den sie irgendwann verloren haben, nennt er sein Programm "Wanderworte".

"In dieser Ecke Deutschlands war ich noch nicht", freute sich der Gast in Ranis, dem bisher eher Städte entlang der A 4 wie Weimar, Jena und Dresden bekannt waren. In Dresden war der Schriftsteller, dessen Gedichte in mehrere Sprachen übersetzt wurden, ebenfalls Stadtschreiber wie später in Kairo, der Hauptstadt Ägyptens.

"Es war eine Auszeit, in der ich mehr für mich geschrieben habe. Ein Werk ist dabei nicht entstanden", erinnerte er sich an das halbe Jahr in Sachsens Metropole, angesprochen auf den Vergleich mit dem Stadtschreiber in Ranis. Oliver, der Philosophie studierte, arbeitet auch als Poetikdozent.

Ralf Schönfelder, Projektleiter der Literatur- und Kunstburg, dankte dem Gast für die "hervorragende Lesung und Darbietung". Die nächste Lesung in Ranis findet am 6. März mit Hannah Dübgen statt, Die Autorin, die 1977 geboren wurde und Philosophie, Literatur und Musikwissenschaft in Oxford, Paris und Berlin studierte, liest dann aus ihrem Roman "Strom".