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15.06.2012

Lyrik im Dreierpack

rudolstadt-lokal

“Versfüße” für Lyrikfreunde 

Rudolstadt. Im Rahmen der  15. Thüringer Literatur- und Autorentage gab es am Donnerstag in der Rudolstädter Stadtbibliothek Lyrik im Dreierpack. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass Gegenwarts-Lyriker eher ein Schattendasein fristen, konnten sich die etwa 80 Besucher der Veranstaltung davon überzeugen, dass  Lyrik lebt, und dies auch in Thüringen.
Die drei Autoren, die Dr. Martin Straub, Vorstandsmitglied im Förderverein Lesezeichen
e. V. Thüringen zu Beginn der Veranstaltung vorstellte, waren klug ausgewählt.

 

Die Kunsthistorikerin Daniela Danz, in Thüringen geboren und in Halle an der Saale lebend, ist als Lyrikerin schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Erst kürzlich mit dem Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach ausgezeichnet, hat sie mit ihrem Gedichtband „Pontus“, aus dem sie am Donnerstag las, das Tor zum Olymp der deutschen Gegenwartslyrik weit aufgestoßen.
Im Gegensatz zu Danz ist der Landtagsabgeordnete und Bildungsexperte der SPD, Hans Jürgen Döring, eigentlich nur im Nebenjob Dichter. Doch an Ausdruck und Präsenz seiner Werke kann er es mit so manchem Profi lässig aufnehmen. Besonders seine kurzen Gedichte, oftmals Vierzeiler, die er vortrug, regen zum Nachdenken, zum Weiterdenken an. Da bleibt vieles offen, was der Zuhörer verarbeiten und beantworten muss, der Poet mit dem verschmitzten Lächeln macht es seinem Publikum nicht einfach.
Und schließlich Steffen Mensching, in Rudolstadt eine feste Größe, als Lyriker präsentierte sich der Intendant des Rudolstädter Theaters in seiner Wahlheimat aber wohl zum ersten Mal. Er las aus seinem 2009 erschienenen Band „Das gewisse Etwas“.  Vor allem politische Gedichte, dies mit der gewohnten Ausdrucksstärke und mit dem von ihm gewohnten Drang nach Klärung, nach Eindeutigkeit in der Mehrdeutigkeit der Worte, die sich dem Zuhörer, so war auch am Donnerstag zu beobachten, manchmal erst nach Wiederholung ganz erschließt.
Dem setzten Döring und vor allem Danz das Stille, Tastende in ihrer Poesie entgegen. Ein sehr ausgewogenes Programm, das die drei Autoren da ihrem Publikum boten. Am Ende stand der Wunsch vieler Besucher nach Fortsetzung, nach Mehr neben den überwiegend von der Prosa beherrschten Lesungen, die die Literaturszene im Land derzeit dominieren. So schön kann Lyrik sein.