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07.11.2013

Lunzig: Trommelalarm im Leubatal

von Kathrin Schulz Ostthüringer Zeitung

Der renommierte Jazzer Marcus Horn aus Erfurt trommelt mit den Jungen und Mädchen aus Lunzig. Foto: Kathrin Schulz

Wie Marcus Horn am Schlagzeug zu einem Besuch im Zoo einlädt, erlebten gestern Vormittag die Jungen und Mädchen der Lunziger Kindertagesstätte "Wirbelwind".

Lunzig. Max, Jonas, Maximilian, Jonathan, Robert, Angelina oder Laura - die meisten Kinder aus der Lunziger Kindertagesstätte "Wirbelwind" wünschen sich spätestens seit gestern Vormittag ein Schlagzeug.

Jazzdrummer Marcus Horn aus Erfurt und Sarah Teicher, frischgebackene Literaturwissenschaftlerin aus Jena, hatten in Lunzig einen Trommelalarm ausgerufen und die Kinder machten begeistert mit.

Sie ließen sich Schlagzeug und Sticks erklären und lauschten zum Auftakt, welche Stimmungen Marcus Horn mit dem Instrument zu zaubern wusste.

Mit der Geschichte, wie die kleine Anna ihre Wut mit einer Trommel verjagen lernte, zog Sarah Teicher die Kinder in ihren Bann. Dann jedoch hielt es die meisten nicht mehr auf ihren Stühlen, sie wollten selbst ans Schlagzeug. "Selbst trommeln, das war das Schönste", so der einhellige Kommentar nach dieser besonderen Musikstunde.

"Beim Schlagzeug ist die Lautbildung kein Problem. Jeder, der es probiert, kriegt einen Ton raus", erklärt Drummer Marcus Horn den Erfolg dieser Kombination aus Rhythmus und Literatur schon bei den Kleinen. "Horn trommelt" heißt die Gemeinschaftsproduktion von Lese-Zeichen e.V. und der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Thüringen. Brit Drechsler von der Lunziger Kindertagesstätte hatte davon gehört und den Trommelalarm ins Leubatal geholt. Im Anschluss an die Geschichte bildeten der Musiker und die Kinder eine große Band, um mit dem Schlagzeug einen Ausflug in den Zoo zu machen. Da wurde gerannt wie ein Gepard, geschlichen wie eine Schnecke, gestampft wie ein Elefant. Keine Frage, dass die Jüngsten mit Feuereifer gemeinsam improvisierten, was das Instrument hergab. "Die Kinder waren voll dabei, folgten dem Spiel des Schlagzeugs und der Geschichte hoch konzentriert", freut sich Brit Drechsler. "Eine gelungene Kombination, die dem Bewegungsdrang der Jungen und Mädchen entgegen kommt und gleichzeitig ihr Literaturverständnis sensibilisiert", lobt die Pädagogin.

Bei Max und Maximilian kam Marcus Horn mit seinem Instrument auch deshalb sehr gut an, weil sie selbst in der Kita Wirbelwind ihre Band "Die Wölfe" gegründet haben. Im Trio - ihr Freund Robby konnte gestern nicht in den Kindergarten kommen - spielen sie eigene Kompositionen. Bis zur letzten Minute nutzten sie die Gelegenheit, einem richtigen Schlagzeug coole Töne zu entlocken. Noch während Marcus Horn und Sarah Teicher die einzelnen Bestandteile des Instruments ins Auto packten, um zum nächsten Termin nach Wildetaube weiterzufahren, trommelten sie.

Marcus Horn weckt die Liebe zum Schlagzeug gern schon bei den Kindern. Er ist in der Thüringer und internationalen Jazzszene ein Begriff, was Konzerteinladungen nach Spanien, England und in die USA bestätigen.

Seine Handschrift tragen zum Beispiel "Das Jazz für die Jugend Festival", der Internationale Jazzworkshop und das Internationale Schlagzeugfestival Erfurt. Marcus Horn ist ebenfalls Gründer der MusicArtSchool, der Musikschule für Rock/Pop/Jazz Erfurt.

Auf die Frage, ob Marcus wiederkommen soll ins Leubatal zu den Lunziger Wirbelwind-Kindern brauchten diese nicht überlegen. Ein vielstimmiges Ja begleitete ihn.