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08.12.2014

Lücke in Bachs Biographie geschlossen

von Mario Keim OTZ

Autor Jens Johler (links) wurde bei seiner Lesung über Johann Sebastian Bach von den Musikern des Krölpaer Duos „Saitenverkehrt“, Carolin Harre (Cello) und Stephan Müller (Flügel), begleitet. Foto: Mario Keim

Jens Johler stellt in Ranis Roman über Leben des Komponisten vor. Duo Saitenverkehrt spielt dazu Werke von Bach.

 

Ranis (OTZ/Mario Keim). Die Mathematik ist es nicht, mit der Johann Sebastian Bach (1685-1750) weit nach seinem Tod Weltruhm erlangen sollte. Und dennoch interessierte sich der junge Musiker und Komponist für alles, was mit Zahlen zu tun hatte. So wusste er, dass ein pythagoreisches Komma in der Musik ein Intervall von etwa einem Achtelton ist. Zwölf Quinten bedeuteten sieben Oktaven. Von diesen Begebenheiten, seinem Wissensdurst und seinen Entscheidungen vor allem als junger Mensch schreibt Jens Johler in seinem Roman „Die Stimmung der Welt“, das den Leser eingangs ins Jahr 1700 führt. Aus diesem bemerkenswerten Buch, das im Herbst 2013 erschienen ist und in das der Autor vier Jahre Zeit investierte, las der 70-Jährige am Donnerstag in der monatlichen Lesung auf Burg Ranis. Der Tradition verpflichtet, gab es auch vorgestern zum Jahresabschluss Musik. Carolin Harre (Cello) und Stephan Müller (Flügel) als das Duo Saitenverkehrt spielten passend zum Anlass vier Werke von Bach und stimmten die 40 Zuhörer mit dem Präludium Nr.1 C-Dur aus dem „Wohltemperierten Klavier“ Teil 1 ein. Genau darum geht es in Johlers Roman: Kurz vor seinem fünfzehnten Geburtstag macht sich Bach auf den Weg. Sein Ziel: die vollkommene Musik zu schaffen, eine Musik, die Himmel und Erde in Harmonie vereint. Aber die Vollkommenheit hat ihren Preis: Alle Töne werden ein bisschen „temperiert“, das heißt verfälscht, die Musik hat von nun an einen Hauch von Künstlichkeit.
„Im Großen und Ganzen habe ich mir Bachs Leben schon so vorgestellt, aber man kann noch viel von Jens Johler lernen“, sagte der Musiker und Musiklehrer Stephan Müller.
Nach Ansicht von Ralf Schönfelder; Projektmanager der Literatur- und Kunstburg Ranis, habe der Berliner Romanautor mit seinem Buch „eine Lücke in Bachs Biographie geschlossen.“ Dieser habe sich „beim Schreiben weitestgehend an die Fakten gehalten.“ Dabei gäbe es über Johann Sebastian Bach nur „dürre Fakten.“ Briefe gibt es gar keine, kein Tagebuch, ebenso keine autobiographische Notizen, ließ der Gast die Zuhörer in Ranis wissen. „Es gibt auch keine Liedtexte von ihm, dafür hat er sich in gewaltigem Maße durch Musik ausgedrückt“.
Der Reiz beim Schreiben sei gewesen, die Gefühlswelt Bachs in jungen Jahren und seine Entscheidungsfindungen darzustellen. „Biographien über ihn gibt es viele. Die fangen alle meistens am Ende seines Lebens an, als er Thomaskantor in Leipzig war“, sagt Johler über den bedeutenden deutschen Komponisten sowie Orgel- und Klaviervirtuose des Barock.
Auf seiner Internetseite www.jens-johler.de
gibt es nicht nur eine Leseprobe aus seinem Roman. Vor allem erfahren die Leser dort zu allen 48 Kapiteln des Buches, wo und wie der Autor Realität und Fiktion verknüpft hat. Fakten und Dichtung beschreibt er dort genauso spannend und kenntnisreich wie in seinem Buch. „Er hat wunderbar vorgetragen und fesselnd geschrieben“, sagte der Pößnecker Kantor Hartmut Siebmanns nach der Lesung. Die musikalische Umrahmung war übrigens für Jens Johler nichts Neues. Doch wie zu hören war, so war die Untermalung in Ranis für ihn ein besonderer Moment.