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17.06.2011

Lothar de Maiziere lässt in Ranis hinter die Kulissen blicken

von Judith Albig Ostthüringer Zeitung

Wie nicht anders zu erwarten, war der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maiziere, das Zugpferd am Auftaktabend des literarischen Wochenendes auf der Burg Ranis.

Ranis. Die Zuhörer im voll besetzten Saal hörten zwar nur wenige Zitate aus seinem Buch, dafür aber im Gespräch mit seinem damaligen Regierungssprecher, Matthias Gehler, umso mehr Schnerzchen und Anekdoten wie ernste Begebenheiten aus bewegten Wendezeiten. Gern angenommen wurde auch die Möglichkeit, Dinge nachzufragen und natürlich die signierten Bücher zu kaufen. So erfuhren die Besucher, dass genau der Buchtitel "Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen" für den früheren Musiker und späteren Anwalt die entscheidende Motivation war, quasi über Nacht in die Politik zu gehen. Wie er sie dann erlebte, hatte in seinen Erzählungen u. a. mit einem Übermaß an Koffein, Nikotin und Arbeit zu tun, mit einer anfänglich "miserablen Behandlung" durch die sowjetische Führung, einer ausgeklügelten Verhandlungstaktik mit Kohl über dessen "kluge Frau", aber auch mit dem Hund des Ehepaares Busch, einem Gehalt von 3500 Mark der DDR, dem Diebstahl eines Füllfederhalters und der ausgeprägten Klassengesellschaft im Ministerrat eines klassenlosen Staates.

In einer nach der Lesung spontan zustande gekommen Gesprächsrunde merkte der 71-Jährige, in dessen Leben die elf Enkel offenbar eine große Rolle spielen, aber auch nachdenklich an: "Wir sind kein besonders kinderfreundliches Land geworden." Das habe er in der DDR besser erlebt. So etwas könne man allerdings auch nicht durch Politik verordnen.