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28.06.2005

Literaturtage-Auklang mit Kabarett und Weltliteratur

von M. K. Ostthüringer Zeitung

Alle genießen die Atmosphäre auf der Burg

Ranis (OTZ/M. K.). Die Welt ist in Ranis zu Gast. Dieses Motto könnte für die Thüringer Literatur- und Autorentage stehen, die am Sonntag bei sommerlichem Wetter zu Ende gegangen sind. Bis auf eine Ausnahme am Samstag fanden alle Veranstaltungen im Trocknen statt. Selbst beim Konzert mit Bettina Wegner und Karsten Troyke harrten die Besucher im Freien aus.

Nach China-Experte Wolfgang Hirn am Donnerstag gab am Sonntag Wolfgang Leonhard Hintergründe über Beziehungen zwischen zwei Staaten zum Besten. Der Autor des 1952 erschienenen Buches "Die Revolution entläßt ihre Kinder" fesselte die Besucher auf dem Burghof, als er über die deutsch-russischen Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart berichtete. "Jeder hat das Recht, Bücher in ein Land zu schmuggeln, in dem eine Diktatur herrscht", ist Leonhard noch heute der Ansicht. Auch deshalb sei sein international stark beachtetes Werk in viele Sprachen übersetzt worden und auch in der DDR in einer speziellen Auflage erschienen.

Während Monika Ehrhardt-Lakomy zuvor Geschichten und Lieder aus dem Traumzauberwald vortrug, musste Hans Müncheberg in der Vorburg zeitgleich nicht um Zuhörer bitten. Die 50 Stühle reichten nicht aus, einige Interessenten standen sogar während der Lesung "Gelobt sei, was hart macht". Darin berichtet der dienstälteste Dramaturg des früheren DDR-Fernsehens "aus dem Leben eines Zöglings der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt Potsdam". Seine positiven Eindrücke an den Aufenthalt in Ranis verbindet Müncheberg mit Bastian Böttcher, der sagte: "Ich bin überwältigt von der Atmosphäre hier auf dem Burghof." Der 31-Jährige las aus seinem Roman "Megaherz" und beeindruckte mit Wortakrobatik und Rap. Eher zufällig: Böttcher und Müncheberg kommen beide aus Berlin, wobei Müncheberg eigentlich kein "reisender Schriftsteller" sei und unlängst bei der NORA Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide sein jüngstes Buch veröffentlicht hat. Den Sonntag schloss Rainer Schulze ab, der ohne seinen erkrankten Kollegen Wolfgang Schaller, Intendant der Dresdner Herkuleskeule, in Ranis erschienen war und mehr als eine Stunde beste Unterhaltung mit Kabarett bot.

Die Literaturtage 2005 waren dank des abwechslungsreichen Programmes und vieler gut gelaunter Besucher ein Sommernachtstraum im besten Sinne. Um mit Frank Schäfer zu sprechen: "Ein Stück goldgerahmte Erinnerung" für Zuhörer, Mitwirkende und Organisatoren.