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15.09.2014

Literaturpreis in Jena verliehen

von Angelika Bohn Ostthüringer Zeitung

Andreas Dorschel am Sonnabend bei seiner Festrede im Romantikerhaus Jena. Foto: Angelika Bohn

Vom Wert des Briefeschreibens - Caroline-Schlegel-Preis für Andreas Dorschel und Nancy Hünger

Jena. Wer schreibt noch Briefe? Briefe wie Caroline Schlegel, herausragende Briefschreiberin ihrer an brillanten Briefen überreichen Zeit. Als Hommage an die Namensgeberin widmete Andreas Dorschel, Caroline-Schlegel-Preisträger, dieser Frage seine Festrede.

Alle drei Jahre verleiht die Stadt Jena diesen Preis für Feuilleton und Essay. Er ist mit 7500 Euro ausgestattet, die sich der Hauptpreis und ein mit 2500 Euro dotierten Förderpreis teilen. Letzteren erkannte die Jury 2014 der in Erfurt lebende Autorin Nancy Hünger zu.

Der Philosoph Andreas Dorschel, geboren 1962 in Wiesbaden, lehrt als Professor für Ästhetik an der Universität Graz. Sein mit dem Preis ausgezeichnetes Essay ist eine Pastiche. Dorschel fingiert einen Brief Korinther Christinnen an den Apostel Paulus. Es geht um die Paulinische Vorschrift, Frauen hätten zu schweigen. Scharfzüngig, zwischen Respekt und Respektlosigkeit entlarven die Frauen, dass sich hinter Paulus Fürsorge bornierte und frauenfeindliche Bevormundung versteckt. Dass seine Forderung, alle Korinther Christen sollten eines Sinns, einer Meinung sein, nur die Anmaßung tarnt, sie sollen seiner, Paulus Meinung sein. Auch Andreas Dorschels preisgekrönter Text ist ein Plädoyer für den Brief.