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20.05.2006

Literatur, Soljanka, König Fußball

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Literaturtage auf Burg Ranis binden die Stadt und ihre Menschen stärker als je zuvor ein

Von OTZ-Redakteur Marius Koity Ranis. Über Langeweile können die Raniser und ihre Nachbarn derzeit nicht klagen. Heute wird zu einem Sängerfest auf die Burg eingeladen, morgen steigt der Kreislandwirtschaftstag vor den Toren der Stadt in Ludwigshof, in der nächsten Woche werden die 625 Jahre seit der urkundlichen Ersterwähnung von Ranis als Stadt ausgiebig gefeiert und das nächste Großereignis wirft bereits seinen Schatten voraus: Vom 15. bis 18. Juni finden zum neunten Mal die Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis statt. Das Programm des Literaturfestivals - in diesem Jahr übrigens nicht in Form eines Buches, sondern in einem handlich-auffälligen Zeitungsformat zusammengefasst - steht, ja es läuft bereits: Am Mittwoch gastierte die Saalfelder Autorin Anne Gallinat im Neustädter Orlatal-Gymnasium mit der ersten Lesung des Literaturtage-Programms außerhalb der Burg.
Außerhalb der Burg wird in diesem Jahr mehr als sonst passieren. "Unter dem Motto ´Zu Gast in Ranis - offene Türen für Literatur´ werden Lesungen in einem buntem Wechsel in der Stadt und auf der Burg stattfinden", führt Dr. Martin Straub in das neue Konzept ein, das nach einer Idee von Verleger Hans Westerheide entwickelt wurde. "Wir wollen den Abstand zwischen der Stadt und der Burg verringern", nennt der Geschäftsführer des veranstaltenden Lese-Zeichen e. V. aus Jena einen der Gründe für das Experiment. Die Zuversicht, dass dieses auch gelingt, schöpft der Germanist aus den ersten Reaktionen auf das neue Konzept. "Die Leute wollen, dass sie eingebunden werden", hat Dr. Martin Straub festgestellt. So wird es neben Veranstaltungen auf der Burg auch welche u. a. bei den Familien Hellwig in der August-Bebel-Straße, Zein in der Marktgasse und Glembotzki in der Rathausstraße oder vor der Sparkasse, im Kinderheim und im Burg-Café. Hinzu kommen bewährte Literaturtage-Stätten wie die Stadtkirche, die alte Schmiede oder die Galerie Westerheide. "Die Literaturtage sollen ein lebendiges Geben und Nehmen sein", lautet die Devise von Dr. Martin Straub.

Das Programm selber mischt bewährt Literatur mit Kunst und Musik. Sachbuchautoren und Schriftsteller, die für Kinder und Jugendliche schreiben, dominieren allerdings die Lesungen. "Wir müssen Literaturtage machen, die einen Anreiz zum Lesen geben", so Dr. Martin Straub zu den Schwerpunkten. "Mit unserem Anspruch gehen wir nicht runter." Vielmehr soll ein neues Publikum gewonnen werden.

Zum Auftakt am 15. Juni liest Olaf Preuß aus seinem Sachbuch "Made in Germany", das die deutsche Wirtschaft(spolitik) mal von ihren starken Seiten zeigt. Danach erlebt auf der Burg das Projekt "Steinstimmen", an dem Lyriker, Prosaisten, bildende Künstler und Musikschaffende beteiligt sind, die Vernissage. Zwischen den Genres steht "Der Geschmack des Ostens", das Buch von Jutta Voigt, das am 16. Juni passenderweise im Gasthaus Zur Schmiede vorgestellt wird. "Geplant ist eine Verbindung aus Literatur, Soljanka und Fußball", macht Dr. Martin Straub schon mal Appetit, der es ansonsten nicht einsieht, dass sich die Literaturtage - wie wohl andere Veranstaltungen - nach der Fußball-Weltmeisterschaft richten. König Fußball wird trotzdem Reverenz erwiesen, am selben Abend mit der Sportmoderatorin Gaby Papenburg, die aus ihrem Frauen & Fußball-Roman "Die Spielmacherin" liest.

Am 17. Juni ist Indianer-Tag: Axel Brümmer, Antje Babendererde und Rainer Klis stellen ihre neuen Bücher über die nord- und südamerikanischen Ureinwohner vor. Abends wird mit dem evangelischen SPD-Politiker Erhard Eppler ein hochkarätiger Gast zu erleben sein, der "Auslaufmodell Staat?" fragt. Der Tag klingt mit gepflegter erotischer Literatur aus. Ab 18. Juni gibt es nach einjähriger Pause wieder einen Stadtschreiber von Ranis. "Die Kreissparkasse Saale-Orla macht´s möglich", dankt Dr. Martin Straub. Am Nachmittag werden die Kinder u. a. von Lutz Rathenow, vom Zirkus Tasifan und vom Kindertanztheater Merseburg mit einer Inszenierung nach "Der Zaubervogel" von Verena Zeltner verwöhnt. Der krönende Abschluss wird der Dichterin und Sängerin Ulla Meinecke anvertraut, die ihr Programm "Im Augenblick" darbietet.

Stärker als sonst engagiert sich heuer der Saale-Orla-Kreis. Dafür steht auch, dass Landrat Frank Roßner die Schirmherrschaft übernommen hat. Mit dem Land Thüringen, der GGP Media GmbH, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und den Stadtwerken Jena-Pößneck nennt Dr. Martin Straub einige der weiteren wichtigsten Partner der Literaturtage. Die Zusammenarbeit mit den Hauptförderern der Literaturtage sei "selten so gut" gewesen wie in diesem Jahr. Das hat sicher mit der kontinuierlich guten Arbeit des Lese-Zeichen e. V. in Ranis zu tun.