Presse - Details

 
10.05.2003

Literarisches Netzwerk

von Martin Straub Weimar Kultur Journal Heft 03/2003

Der Lese-Zeichen e.V. und die Literarische Gesellschaft Thüringen (Weimar) sind nicht abergläubisch. Sie nennen die Zahl 13 mit Stolz und sagen: Zum dreizehnten Mal finden in diesem Jahr im Juni die Thüringer Literatur- und Autorentage statt. Auf der Burg Ranis werden nun schon zum 6. Mal Autoren und ihre Leser erwartet. Die Literarische Gesellschaft konzentriert sich mit ihren Bemühungen auf Ostthüringen. Lesungen werden in Altenburg, Artern, Gera, Greiz und Hermsdorf veranstaltet. Und natürlich sind auch Weimarer Autoren gefragt. Gisela Kraft, Dietlind Steinhöfel, Stefan Deter, Frank Quilitzsch, Bastian Böttcher und Wolfgang Held werden lesen. Die Geschäftsführerin des Vereins, Sigrun Lüdde, arbeitet dabei vor allem mit den Bibliotheken zusammen.
Auf Burg Ranis wird es an den Wochenenden vom 13. bis 15. Juni und vom 20. bis 22. Juni ein Lesefest für die ganze Familie mit einem vielfältigen Programm geben. Reiner Kunze und der in Utrecht lebende Konzert-Gitarrist Reinhold Westerheide eröffnen die Literaturtage am 13. Juni, 19.30 Uhr, mit einem Lesekonzert in der Stadtkirche Ranis.
Natürlich haben die Organisatoren, eingedenk der Pisa-Zeichen, an die Kinder gedacht. Erstmals erwartet sie auf der Burg vom Nachmittag bis zum Abend ein vielfältiges Spiel- und Bastelangebot, verbunden mit einer entsprechenden Betreuung. Und es werden neue Kinderbücher vorgestellt. Geert Müller-Gerbes liest aus "Opa, wer hat den Mond geklaut", Ingrid Annel hat neue Geschichten, und Andreas Müller bringt seinen Thüringer Sagenband auf die Burg. Das Programm in Ranis bietet zahlreiche weitere Höhepunkte. Es kommen Wladimir Kaminer, Jakob Hein und Andreas Gläser. Sie werden von den Weimarer Jungjazzern "Jazz and fish" begleitet. Cornelia Schmalz-Jacobsen stellt ihr Buch "Zwei Bäume in Jerusalem" vor, das auf der Leipziger Buchmesse eine starke Beachtung fand. Und es gibt eine Doppellesung von Ines Geipel und Roman Grafe. Das zweite Wochenende wird am 20. Juni mit einem Krimi-Abend eingeleitet. Burkhardt Driest und Evelyn Holst haben sich angesagt. Der Sonntag bietet nochmals literarische Höhepunkte, wenn Friedrich Schorlemmer, Edgar Külow und Bernd-Lutz Lange lesen und zuvor der bisherige Stadtschreiber Jochen Weeber sein neues Buch vorstellt. Wie immer ein heiter besinnlicher Abschluss. Übrigens lesen in diesem Jahr vor allem Thüringer Lyriker und Lyrikerinnen auf der Burg. Bärbel Klässner etwa, Thomas Spaniel oder Christoph Eisenhuth.
Die Veranstalter halten es für einen Vorzug, dass die Thüringer Literaturtage mit Ranis ein Zentrum haben, dass aber zugleich andere Regionen mitbedacht werden. Immerhin finden in diesem Jahr in mehr als 20 Orten Lesungen statt. Hervorzuheben die hochkarätige Autorennacht in Meiningen am 30. Mai unter anderem mit Volker Braun und Steffen Mensching. Nicht zu vergessen die Limlingeröder Diskurse, die nun schon traditionell am 28. und 29. Juni den Abschluss der Literaturtage bilden. Elke Erb und Norbert Hummelt werden lesen. Ulrike Müller und Antje Finkenwirt widmen ihr literarisch-musikalisches Programm Maria Zwetajewa.
Ein so großflächiges Vorhaben fordert die Mitwirkung vieler. Es bedarf reger Literaturvereine, engagierter kommunaler Kulturarbeiter, die Bibliotheken nicht zu vergessen.
Und das alles kostet Geld. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unterstützt das Ganze. Aber die jüngsten Kürzungen schmerzen heftig und bringen ein so wichtiges breitenkulturelles Ereignis in arge Bedrängnis. Das darf nicht so hingenommen werden. Die Literaturtage könnten in dieser Form nicht stattfinden ohne die Hilfe der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Stadtwerke Jena Pößneck oder von GGP Media und den Sponsoren des Förderkreises. Sie arbeiten schon über Jahre mit dem Lese-Zeichen e. V. zusammen. Ihnen allen sei gedankt. Und wir sagen es mit großem Ernst: In diesen krisen- und kriegsdurchwirkten Zeiten, einer Zeit, in der kulturelle Werte immer stärker gefährdet sind und leichtfertig in Frage gestellt werden, erhält das dichterische Wort, ob im Kindervers oder im Roman, erhält der stille oder öffentliche Dialog zwischen dem Autor und seinen Lesern einen besonderen menschlichen Wert. "Sobald die Gespräche enden, übernehmen die Sprachlosen die Macht", sagte der für sein Lebenswerk ausgezeichnete Peter Härtling am 20. März auf der Leipziger Buchmesse.

Gesamtprogramm: www.lesezeichen-ev.de