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14.06.2015

Literarisches auf Burg Ranis: Geschichten vom Essen und vom Wolf

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Literarisch-musikalischer Brunch mit Landolf Scherzer und Antje Babendererde sowie dem Trio Lyrische Saiten auf Burg Ranis. Foto: Marius Koity

„Es gibt nichts Schöneres, als dass der Mensch etwas isst und Freude daran hat“, sagte der Suhler Schriftsteller Landolf Scherzer am Samstagvormittag zu Beginn des Literarischen Brunchs auf Burg Ranis.

Antje Babendererde und dem Leipziger Trio Lyrische Saiten zu zeigen, dass dieser Genuss noch zu erhöhen ist – mit Literatur und Musik nämlich. Die gut vierzig Gäste und damit mehr als vom gastgebenden Lese-Zeichen e. V. erwartet hielt es?jedenfalls zweieinhalb Stunden auf den Stühlen dieser Literaturtage-Veranstaltung.

Landolf Scherzer, einer der Literaturtage-Gründerväter übrigens, tischte passend „Essens­geschichten“ aus seinen Reportagebüchern auf.

Eine unterhaltsame Fischversorgungs- und Trabant-Geschichte aus DDR-Zeiten kombinierte der – denkt man gar nicht – 74-Jährige mit der Bitterkeit des Kampfes um Brot in Mosambik, urige chinesische Tischsitten mit dem Überfluss voller Schattenseiten in einem griechischen Fünf-Sterne- und All-Inclusive-Plus-Hotel.

Das Kontrastprogramm waren dann mehrere Selbsterfahrungs- und Liebes­geschichten aus dem Leben der sechzehnjährigen Jola, der Hauptperson in Antje Babendererdes Jugendbuch „Isegrim“ (Arena Verlag, 2013), das als „Wolfsroman“ bekannt ist.

Ein Höhepunkt der verzweigten und sprachbilderreichen Episoden in thüringischem Wald war erwartungs­gemäß die Begegnung mit Isegrim – einem Wort, von dem thüringische Schüler nicht wissen, dass es für den Wolf steht.

Das war in einem kurzen Interview mit der 51-jährigen Schriftstellerin zu hören, das Andreas Berner, Vorsitzender des Lese-Zeichen e. V., für das Publikum führte. Antje Babendererde empfahl da beispielsweise: „Wenn man einem Wolf gegenüberstehen sollte, nicht weglaufen! Sonst macht man den Eindruck von Beute.“

Als Nächstes Ramelow und Rot-Rot-Grün

In Berners Talk mit Landolf Scherzer war dann zu hören, dass der Schriftsteller seine legendäre Politreportagebuch-Serie „Der Erste“, „Der Zweite“, „Der Letzte“ wohl noch in diesem Jahr mit „Der Rote“ ergänzen werde. In diesem Fall porträtiert er Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Thüringens rot-rot-grüne Regierung.

Im kurzweiligen kulinarischen Lesekonzert brach Landolf Scherzer nicht zuletzt eine Lanze für das griechische Volk. Von ihm war außerdem zu lernen, dass das schäbigste Hotel in Thessaloniki, in dem einem, wie er gewarnt wurde, alles geklaut werde, „Europa“ heißt.

http://www.otz.de/startseite/detail/-/specific/Woerter-und-Noten-als-Fruehstuecksbeilage-auf-Burg-Ranis-165642796