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16.06.2006

Literarische Leuchte

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Stiftung übergibt sanierten Palas auf Burg Ranis - Einweihung mit den Literatur- und Autorentagen

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Michael Nach nur anderthalbjähriger Bauzeit steht der Burg Ranis nun der vollständig sanierte Palas für Lesungen, Konzerte und Vorträge zur Verfügung. Der Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Dr. Helmut-Eberhard Paulus übergab gestern den multifunktionalen, sogenannten "Rittersaal" im Nordflügel der Burg. Rund 870 000 Euro sind in den Umbau geflossen, die knappe Hälfte davon wurde aus Städtebaufördermitteln bereitgestellt.
In der Sanierung solle sich die wechselvolle architektonische Geschichte dieses Raumes wiederspiegeln, betonte Dr. Helmut-Eberhard Paulus bei der gestrigen Pressekonferenz zur Übergabe und verwies zugleich auf die wechselvolle Geschichte des Rittersaals vom Aufbau, seinen folgenden baulichen Veränderungen, bis hin zum Schattendasein als Rumpelkammer.

Bis zu einem verheerenden Brand 1646 diente der Palas als Rittersaal und Rüstkammer. Als beides nicht mehr benötigt wurde, nutzte man den Bau auf der Burg für die folgenden 300 Jahre als Scheune bis 1968 abermals Umbauten stattfanden. Das historische Mauerwerk wurde damals verblendet, nur noch Schlitzfenster zurückgelassen, das Fußbodenniveau erneut verändert.

Mit Beginn der Sanierung sind all diese Einbauten und Verblendungen der 60er- und 70er-Jahre entfernt worden. Dadurch entstand wieder ein lang gestreckter Saal, in dem sich in der Architektur Vergangenheit und Moderne begegnen. "Wir haben kein falsches Mittelalter inszeniert", räumt Paulus ein, "sondern Historisches wie Mauerwerksunebenheiten und Nischen bewusst in aller Schlichtheit belassen. Alle Einbauten wie die Galerie sind dagegen zeitgemäß modern." Neben umfangreichen Stabilisierungsarbeiten an den Außenwänden und am Dachstuhl wurde auch das Dach des Palas in altdeutscher Schieferdeckung neu gedeckt. Kleine Restarbeiten an der Fassade und den Außenanlagen stehen allerdings noch aus, außerdem werden immer noch Spenden für die Bestuhlung gesammelt.

Ranis solle weiter zur Literaturburg wachsen, wünscht sich die Stiftung, und damit als kulturelle "Leuchte" über die Grenzen des Freistaates hinausstrahlen. In diesem Sinne wurde der neue Palas schon am gestrigen Abend mit der ersten Veranstaltung eingeweiht: Vor 100 Gästen eröffnete Landrat Frank Roßner die 9. Thüringer Literatur- und Autorentage. Den Programmauftakt machte 19.30 Uhr der Wirtschaftsjournalist der "Financial Times Deutschland", Olaf Preuß, mit seinem Buch "Made in Germany", eine Ermunterung Neues zu wagen.

Im Anschluss traten mehrere Künstler mit dem vom Lese-Zeichen e.V. initiierten Projekt "Steinstimmen" den Beweis an, wie kunstvoll sich Wort, Farbe und Klang zusammenbringen lassen. Die Autoren Gisela Kraft, Wolfgang Haak und Landolf Scherzer haben sich gemeinsam mit dem Komponisten Mario Wiegand zu einer Entdeckungsreise auf die Burg Ranis, die Heidecksburg und die Schwarzburg begeben. Enstanden ist dabei beim Verlag burgart-Presse ein bibliophiles Buch mit sechs Originalgrafiken von Ullrich Panndorf und Walter Sachs, das der Geschichte eine neue Form gibt. "Steinstimmen", zu dem auf Ranis eine Ausstellung läuft, ist ein Projekt der Kulturstiftung Thüringens.
>> www. lesezeichen-ev.de