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12.11.2002

Literarische Begegnung mit der richtigen "Bella Block"

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Ranis (OTZ). Die Autorin Doris Gercke war am Donnerstag in Ranis
angetreten, aus ihrem neuesten Buch "Bella Ciao" zu lesen. Im Mittelpunkt der
Handlung steht die Romanfigur Bella Block, bekannt geworden durch die
gleichnamige Krimi-Reihe im ZDF mit Hannelore Hoger in der Hauptrolle.
Zwangsläufig berichtete die Erfinderin der Romanfigur auch über die Unterschiede
zwischen Fernsehen auf der einen und einem Buch auf der anderen Seite.

"Ich möchte Ihnen heute etwas über die richtige Bella Block erzählen", begann
Doris Gercke ihren Vortrag innerhalb der Reihe "Autorenlesung auf Burg Ranis".
Der regelmäßige Wechsel zwischen dem Vorlesen aus ihrem neuen Werk und Episoden
aus ihrem Schaffen als Krimiautorin gestaltete den Abend zu einer höchst
unterhaltsamen Angelegenheit. "Ich habe die Figur allein verkauft. Das gibt dem
Fernsehen das Recht, eigene Filme zu drehen", so die gebürtige Greifswalderin
zur Entstehung der Reihe im Fernsehen. Während die Bella Block in den Büchern
bis heute Detektivin geblieben ist, verwandelten die Filmemacher die
Hauptdarstellerin ab der zweiten Folge in eine Kommissarin. Selbst Fans von Buch
bzw. Serie waren überrascht angesichts der Tatsache, dass bislang nur zwei Titel
verfilmt worden sind. Dabei handelt es sich um die Romane "Weinschröter Du musst
hängen" (1988 als erstes Buch erschienen) und "Kinderkorn" (als Film "Tod eines
Mädchens").

An der Rolle von Hannelore Hoger gefalle der Autorin ihre weibliche Spielweise.
"Sehr oft handelt es sich um männliche Drehbuchschreiber. Dabei geht der
weibliche Blick verloren." Die Hauptdarstellerin bringe deshalb viel aus der
Botschaft der Autorin hinüber ins Fernsehen. Trotz verkaufter Rechte bleibe
Doris Gercke ein gewisses Mitspracherecht, beispielsweise dann, wenn es um die
Drehorte in den frei erfundenen Geschichten geht. Autorin und Darstellerin
kennen sich nicht nur privat sehr gut, sie lesen zuweilen auch gemeinsam aus den
Büchern.

Die enge Verbindung zu Bella Block hatte bereits dazu geführt, dass sich Doris
Gercke ein Pseudonym zulegte, um schreiben zu können. "Die Bella Block gibt es
viermal. Neben den Figuren im Film und im Buch sind es außerdem Frau Hoger und
meine Person, die damit in Verbindung gebracht werden", beschreibt die Erfindern
das Verrückte an dem populären Stoff, wenngleich sich Doris Gercke selbst nur
als eine von inzwischen fast 400 Krimiautorinnen in ganz Deutschland sieht.