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07.09.2012

Literarisch-musikalische Reise auf dem Baumkronenpfad

von Diana Döll Thüringer Allgemeine

Autor Frank Quilitzsch zeigt sein Buch "Hanoi, meine Liebe" aus dem er am Baumkronenpfad las. Am Akkordeon begleitet ihn Oliver Räumelt. Foto: Diana Döll

Autor und Journalist Frank Quilitzsch und Musiker Oliver Räumelt haben einen Abend am Baumkronenpfad gestaltet.

Hainich. "Sehr groß. Sehr freundlich. Immer auf Zusammenhalt bedacht." Die Antwort von Frank Quilitzsch auf die Frage des Freundes, was er von dessen Vaters Familie halte, kam prompt. Die ersten beiden Charakteristika beschreiben aber auch gut Quilitzsch selbst.

So zumindest erlebte ihn das Publikum der Septemberveranstaltung "Literatur und Musik am Baumkronenpfad". Diesmal tauchte das Publikum ein in das von Autor Quilitzsch als Reportageroman beschriebene "Hanoi, meine Liebe."

Im Visumsantrag steht regelmäßig Familienbesuch. Schon bei seiner ersten Reise nach Vietnam wurde der Buchautor und Tageszeitungsredakteur sehr herzlich empfangen. Heute, 15 Jahre später, schaut Quilitzsch auf Vietnam im Allgemeinen und Hanoi im Speziellen längst nicht mehr nur aus dem Blickwinkel eines neugierigen Reporters. Vielmehr wurde er Vertrauter, dessen geschriebene Geschichte auch sehr die eigene ist.

Eine Freundschaft aus Studienzeiten brachte Quilitzsch nach Vietnam. Huong, der gute Freund, der heute in Berlin arbeitet, kommt aus Hanoi und ist eines von fünf Kindern der zweiten Familie seines Vaters.

Dieser wurde im zweiten Weltkrieg von den französischen Besatzungsmächten auf eine Gefängnisinsel gebracht. Verheiratet war er da in erster Ehe und hatte vier Kinder. Diese Familie lebte im Süden Vietnams. Durch einen Gefangenenaustausch kam der Mann nach Hanoi im Norden und lernte Huongs Mutter kennen und lieben, kehrte aber doch zur ersten Familie zurück. Fortan meisterte der Vater einen Spagat: Die Familie im Süden zusammen zu halten und jene im Norden zu unterstützen.

Der Tod des Vaters und die Fahrt aller neun Kinder zur Gefängnisinsel, um ihn zu ehren, wurden zur Geburtsstunde von "Hanoi, meine Liebe." Das Buch belegt eine tiefe Verbundenheit zur Familie des Studienfreundes, zu dessen Land und Geschichte. "Mein schönstes Erlebnis war, als Huongs Mutter sagte, ich sei ihr Adoptivsohn", erzählt Quilitzsch.

Schon oft ist er inzwischen ohne Huong zu dessen Familie gereist, lernte auch Flora und Fauna Vietnams lieben.

Musikalisch begleitet wurde die Lesung durch Oliver Räumelt. Dieser musizierte im Mai 2010 erstmals am Baumkronenpfad und ist hier seitdem schon gut zehnmal aufgetreten.