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06.03.2007

Licht und Schatten großer Umwälzung

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz/fqu) "China unterm Rad" - das suggeriert gigantische Umwälzungen im Reich der Mitte, einen nie dagewesenen Aufbruch mit Licht- und Schattenseiten für die betroffenen Menschen. Die Weimarer Schriftstellerin und einzige deutsche Delegierte für das Writers-for-Peace-Komitee im PEN, Gisela Kraft, hat zum morgigen Mittwoch mit Jiao Guobiang (Peking) und Shi Ming (Exilant in Köln) zwei couragierte chinesische Autoren zu Lesung und Gespräch nach Weimar eingeladen.
Es geht um die Verteidigung von Traditionen und des geistigen Potenzials einer uralten Kultur, die gegenwärtig vom Fortschritt überrollt zu werden droht. PEN-Präsidiumsmitglied Shi Ming, der seit 1989 im deutschen Exil lebt und unter anderem als Journalist für die Deutsche Welle arbeitet, wird seinen Text in deutsch lesen und anschließend seinen Landsmann Jiao Guobiao interviewen. Jiao ist von Haus aus Literaturwissenschaftler. Nach einer Reihe kritischer Aufsätze zur politischen Situation Chinas, insbesondere über die Verfolgung der Falun-Gong-Bewegung, verlor er seine Professur an der Pekinger Universität. Derzeit lebt er als Writers-in-Exil-Stipendiat des PEN-Zentrums Deutschlands in Berlin.

Gisela Kraft, die Initiatorin der Lesung und schreibende Dritte im Bunde, wird ebenfalls einen China-Text vortragen. Als Lyrikerin hat sie "Die Himmelsreparatur" des bekannten chinesischen Dichters Lu Xun frei nachgedichtet. Lu Xun (1881-1936) gilt als einer der Begründer der modernen chinesischen Literatur. Die in Kooperation mit der Stadt Weimar organisierte PEN-Lesung mit verfolgten Autoren ist bereits die sechste ihrer Art. Seit 2002 hat Weimarpreisträgerin Gisela Kraft Schriftsteller und Journalisten u. a. aus Tschetschenien, Simbabwe, Kolumbien und dem Irak in die Klassik-Stadt eingeladen.

! Mittwoch, 19.30 Uhr, Stadtbücherei Weimar