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17.06.2016

Lesung mit Marion Brasch in Stadtbibliothek in Neustadt

von Brit Wollschläger Ostthüringer Zeitung

Die Moderatorin, Literaturkritikerin und Autorin Marion Brasch in Neustadt. Foto: Brit Wollschläger

Die Radiojournalistin und ­Autorin Marion Brasch stellt in Neustadt im Rahmen der Thüringer Literaturtage ihren Roman „Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot“ vor.

Neustadt. Es sollen schon Leute aufgestanden und gegangen sein, weil sie mit dem, was Marion Brasch da las, nichts anfangen konnten. "Sie können auch jetzt noch gehen", ermunterte die Berliner Autorin ihre Gäste mit so einem gewissen Unterton. Aber diese 30 Gäste wollten nicht gehen. Sie amüsierten sich einfach zu gut bei dieser eigentlich schon Hörspiel reifen Lesung, bei dieser irgendwie ja doch tiefsinnigen Reise nach Absurdistan. Oder wo sonst spielt der rechte Schuh des Lackaffen eine so wichtige Rolle, überhaupt ein Lackaffe – über den es plötzlich sogar einen Film gibt, in dem wiederum ein Schaf von Bedeutung ist. Nicht immer ist klar, wer da überhaupt auf Godot wartet und warum, warum er nicht kommt und warum passiert, was passiert. In diesem Kaufhaus zum Beispiel, wo es zum Glück den riesigen Teddybären gibt. Auch so eine seltsame Geschichte. Wie die vom fetten Dornfrös’chen, das mit 15 sterben will, die vom ziemlich gefährlichen Reißwolf oder dem Würfelmolch, was immer das für einer ist. In dem Moment, wo Marion Brasch das alles liest, hört es sich kurz so plausibel an, weil die Art, wie sie liest, so vertraut seriös und professionell nach Hörbuch, nach Radio klingt. Aber sucht man nach dem Sinn der Worte, dem Zusammenhang der Wortspiele, der vertrauten Redewendungen, steht man oft vor einem höchst amüsanten Rätsel. Ja, plötzlich kommt auch Hermann Hesse vor. Und Maulaffen werden in den Schatten gestellt. Und nur der Hüpfbär fragt, wer Godot eigentlich ist. Das haben die Gäste der Lesung also nicht erfahren, aber sie hatten einen köstlich skurrilen literarischen Abend mit einer namhaften Autorin und Literaturkritikerin. Und keiner ist zwischendrin aufgestanden und gegangen.

Rahel Schwabe von der Neustädter Stadtbibliothek schenkte der Autorin am Ende "viele leere Seiten, die zu füllen sie sich hoffentlich nicht nehmen ließe".