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07.05.2014

Lesung in Greiz: Käse kann man nicht hören

von Katja Grieser Ostthüringer Zeitung

Die Bibliotheksleiterin Corina Gutmann begrüßt den Autor. Foto: Katja Grieser

Autor Axel Hacke blickt in die Untiefen der deutschen Sprache und begeistert damit 100 Zuhörer in Greiz.

Greiz. Fußball kann so vieles sein: Wahnsinn, Wut, Liebe, Treue. Axel Hacke weiß das und widmet sich in seinem neuen Buch "Fußballgefühle" ganz dem Sport schlechthin, der mit seinen hohen Feiertagen, Ritualen, Chorälen und Hohepriestern getrost als Religionsersatz herhalten könne. Findet zumindest Hacke, den das Fußballfieber im zarten Alter von elf Jahren gepackt hat. Am Montagabend nahm er die 100 Zuhörer in der Vogtlandhalle mit in die Welt des runden Leders, vor allem aber blickte er in die Untiefen der deutschen Sprache - sehr zur Begeisterung seiner Fans, die sogar aus Zeulenroda-Triebes und aus Sachsen nach Greiz gekommen waren.

Axel Hacke, unaufgeregt und lässig, mit übereinander geschlagenen Beinen vor dem Publikum sitzend, ist ein Hinterfrager. Was wollte Teamchef Rudi Völler der Welt bei seinem Wutausbruch nach dem unrühmlichen 0:0 der deutschen Nationalelf gegen Island mit dem Satz "Ich kann diesen Käse nicht mehr hören" wohl sagen? Kann irgendjemand Käse hören? Klare Antwort: Nein. Völler vielleicht schon, das "nicht mehr" bedeutet ja, dass er es zumindest einmal konnte. "Waren das bessere Zeiten?", fragt sich Hacke. Und was meinte Fußball-Rudi nur mit "diesem Käse". Ist es etwa ein besonderer, ein Zauberkäse? Das Grübeln über diesen einen Satz lässt den Autor zu dem Schluss kommen, dass die Welt des Fußballs "tiefer und geheimnisvoller ist, als wir es uns je vorstellen konnten".

Selbst für nicht Fußball-Auskenner war Hackes Teambildung nach Namen amüsant, etwa die Zungenbrecher-Mannschaft, Albtraum eines jeden Radioreporters. Warum heißt ein Fußballer ausgerechnet Dante, sinniert der Kolumnist. Hacke wäre doch viel passender. Und wenn ein Autor wie er Dante hieße, wäre das zwar genau wie beim Kicker übertrieben, "aber die Abteilung stimmt wenigstens".

Wie verwirrend die deutsche Sprache sein kann, lässt sich am besten mit dem Blick in ausländische Speisekarten beweisen, wie es Axel Hacke in seinem Buch "Oberst von Huhn bittet zu Tisch" getan hat. Dass aus Onion rings, Zwiebelringen, in einem griechischen Restaurant "Zwiebel ruft an" geworden ist, soll nur ein harmloses Beispiel sein. Während das Gericht "Ich - eine Verwirrung des Dorsches" den Leser beziehungsweise Esser in eine tiefe Sinnkrise stürzen kann. Ob Axel Hacke über den großen Nachteil des Internets spricht - man kann da, anders als bei Printprodukten, nichts ausschneiden - oder auf Leserwunsch die Gespräche mit seinem Kühlschrank wiedergibt, die Zuhörer hängen ihm an den Lippen, begeistert von seinem wahrhaft tiefsinnigen Humor.

Die Lesung, eine Kooperation von Greizer Bibliothek und Lese-Zeichen e. V., ist zugleich Auftakt der Thüringer Literatur- und Autorentage gewesen, in deren Rahmen bis 22. Juli hauptsächlich in Ostthüringen zahlreiche Lesungen stattfinden.