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06.06.2003

Lesen und Lesenlassen

von Angelika Bohn Ostthüringer Zeitung

Thüringer Literatur- und Autorentage mit Stars und Sternchen

Sie sind bereits voll im Gang, die Thüringer Literatur- und Autorentage 2003. Seit dem 10. Mai bereits touren Schriftsteller durch Ostthüringen, stellen ihre neuen Bücher vor und sich selbst den Fragen ihrer Leser. Zwischen Saalfeld, Gera und Altenburg sind sie in Schulen, Bibliotheken, Galerien, ja selbst in Kinos anzutreffen. Die Urheimat der Literatur- und Autorentage jedoch ist nach wie vor Ranis, wo dieses von Jahr zu Jahr größere Kreise ziehende Literaturereignis vor 13 Jahren geboren wurde. Die kleine Stadt und ihre malerische Burg bieten auch 2003 an zwei Sommerwochenenden je drei Tage Lesegenuss für kleine und große Leserratten und für jeden Geschmack.Den Auftakt macht am Freitag, dem 13. Juni, mit einem Lesekonzert einer der ganz großen deutschen Dichter - der Büchner-Preis und der Hölderlin-Preis wurde ihm verliehen, seine Lyrik und Prosa ist in 30 Sprachen übersetzt worden und im Sommer wird er 70 Jahre alt: Reiner Kunze. In der Stadtkirche Ranis ist er gemeinsam mit Reinhold Westerheide zu erleben.Geschichten für Kinder erzählen am Sonnabend, 14. Juni, ab 15 Uhr, auf der Burg erst Ingrid Annel und dann Gerd Müller-Gerbes. Danach stellen die Thüringer Bärbel Klässner und Thomas Spaniel Lyrik und Prosa vor und von Zirkusdirektor Paul Busch ist zu erfahren, dass sein Leben ein Zirkus war. "Zwei Bäume in Jerusalem" erinnern in Yad Vashem an Eberhard und Donata Helmrich, die Eltern von Cornelia Schmalz-Jacobson. Die Journalistin und ehemalige FDP-Generalsekretärin erzählt die Geschichte (19.30 Uhr) der beiden Bäume.Für Jung und Alt ist Andreas Müllers "Seht der Rächer" gedacht, das der Thüringer Autor und Superintendent dann am Sonntag, 15 Uhr, vorstellt. Mit Gedichten von Josef Hrub#1#34, dem Roman "Das Heft" der ehemaligen Spitzensportlerin Ines Geipel, "Die Grenze" von Roman Grafe und Erzählungen über "Das Lächeln der Steine" von Sigrid Ramge ist der Nachmittag gefüllt. Zu einem Lesekonzert versammeln sich 20 Uhr Kultautor Wladimir Kaminer - keiner liest seine skurrilen Storys so wunderbar vor, wie er -, Andreas Gläser, Jakob Hein und Fish´n Jazz.Wer Krimis liebt, muss eine Woche warten, bis am Freitag, dem 20. Juni, 18 Uhr, zur Krimi-Nacht sich der auf den fiesen Typ abonnierte Schauspieler Burkhard Driest mit seinem Buch "Der rote Regen" als Krimi-Autor outet. Im Anschluss stellt Evelyn Holst ihre lesbische und vorlaute Kommissarin Alexa Martini und ihr Buch "Das Verlangen" vor, natürlich im Rotlichtmilleu angesiedelt.Nach so grauslichen Geschichten brauchen auch Leseratten eine kleine Pause und die bekommen sie am Sonnabend (21. Juni), denn dann wird ab 14 Uhr Sonnenwende auf Burg Ranis gefeiert: mit Markt, Mittelalterspiel, Pittiplatsch, Theater, Konzert und Sonnenwendfeuer.Weit weniger heidnisch verspricht der Sonntag zu werden. "Die Bibel für Eilige" hat Friedrich Schorlemmer geschrieben und sein kritischer Verstand sollte dafür bürgen, dass es keine Fast-Food-Lesung wird (15 Uhr). Bereits am Vormittag liest Christoph Eisenhuth neue Lyrik in der Stadtkirche (10 Uhr) und 11.30 Uhr präsentiert der "alte" Stadtschreiber Jochen Weeber sein Ranis-Buch und dankt ab, denn 12.30 Uhr wird das Geheimnis gelüftet, wer der oder die Neue wird."Ruhrpott-Willi erobert den Osten" hat der immer so griesgrämig dreinblickende Kabarettist Edgar Külow sein neues Buch genannt, in dem der Stammtischphilosoph Willi Koslowski verkündet, wie den fünf neuen Ländern auf die Sprünge zu helfen ist. Und mit kabarettistischem Ost-Ur-Gestein geht der Abend zu Ende: Bernd-Lutz Lange erinnert sich an "Mauer, Jeans und Prager Frühling".