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28.02.2004

Lesen für den guten Buch-Zweck

von Matthias Huth Thüringer Allgemeine

Der gute Zweck heiligte zunächst den Magen, denn das frischgegründete Thüringer Literatur Quintett versuchte das zahlreiche Publikum in Weimar zunächst mit selbstgebackenem Kuchen und Wein gönnerhaft zu stimmen. Denn das Ziel der Autorenrunde war, zum Erhalt der Thüringer Fahrbibliotheken einen vorlesenden Beitrag zu leisten und nebenbei frisch Produziertes zu präsentieren.

Der von Martin Straub moderierte Abend wurde per Konserve liedhaft eröffnet und erwies, dass Hans-Jürgen Döring in diesem Genre eine Menge Können fehlt. Diesen ersten Eindruck konnte Matthias Biskupek mit einer Reminiszenz ostdeutscher Sicherheitsbefindlichkeiten souverän zerstreuen. Sein aktueller Theaterroman "Eine moralische Anstalt", aus dem er ein Kapitel vorstellte, befasst sich mit den Ansprüchen eines Provinztheaters nebst Reibungen mit sozialistischer Wirklichkeit und fand beim Auditorium vergnügliche Aufnahme.

Döring verlas danach aphoristische Lyrik mit eingängigen Sinnbildern. Die Variation des Feinsliebchen-Volkslieds fand verdienten Applaus. Frank Quilitzsch spielte in seinen drei Liebesgeschichten alltagspoetisch und unterhaltsam mit Erinnerungswerten und konnte damit eine Menge Lacher verbuchen. Landolf Scherzer wollte sich solch unkompliziertem Frohsinn nicht entziehen, blieb dem Publikum zwar die angekündigte Bauhaus-Reportage schuldig, entschädigte aber mit schwarzen Sprichwort-Weisheiten und einer sanften Glosse über die Währungsreform. Insgesamt spendeten die Besucher und die gastgebende Thalia-Buchhandlung mehr als 600 Euro.