Presse - Details

 
01.10.2014

Lesemanuskripte für die Gäste in Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Steve Kussin auf der Burg Ranis. Foto: Mario Keim

Das letzte Stadtschreibergespräch in Ranis mit Steve Kußin hat eine historische Dimension

Ranis. Völlig unbewusst hat der Raniser Stadtschreiber Steve Kußin einen literarischen Beitrag geschrieben, der thematisch gut zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls im November passt. "Das ist mir auch erst später aufgefallen, dass dieses Theaterstück genau mit dem 25-jährigen Jubiläum fertig wird", sagt der Theaterschauspieler und Schriftsteller, der in seiner Zeit in Ranis das Theaterstück "Der ungebetene Gast" geschrieben hat. Darin geht es um zwei Familien, die in Streit um einen Familienbesitz geraten sind, der einst aufgrund der Flucht in die damalige Bundesrepublik in der DDR aufgegeben worden war. "Anstatt den Rechtsweg zu wählen, geraten sie in Streit", verrät der Autor, der aufgrund der gewählten Problematik gern von einem "DDR-Stück" spricht. Die Idee sei ihm in der eigenen Familie entstanden, umgesetzt hat Steve Kußin das Vorhaben in Ranis. Es spiele in der Zeit 1991/92.

Voraussichtlich Anfang November soll das abendfüllende Stück im Rahmen einer szenischen Lesung mit Jenaer Schauspielern vorgestellt werden. Am Wochenende ist der Text dem Lektor überreicht worden, der es nunmehr in der Hand hat, wann ein Buch in gedruckter Form vorliegt. In der Publikation werden neben dem Hauptwerk mit einem Umfang von 50 A4-Seiten ein zweites Theaterstück, zwei Balladen und fünf Kurzgeschichten aus der Feder von Steve Kußin enthalten sein.

"Es wäre ein schöner Abschluss, im Gasthaus Zur Schmiede zu lesen", wünscht sich der 29-Jährige aus Jena die szenische Lesung genau dort, wo es vergangene Woche das letzte von drei Stadtschreibergesprächen mit ihm gegeben hat. Die Alternative wäre eine Lesung in den Räumen der Burg.

"Ich mag die Stadtschreibergespräche aus dem Grund, dass ich einfach gerne vorlese, und zum anderen, weil es immer eine gesellige und interessierte Gruppe ist, bei der man eben durch fragen oder auch nur zuhören auch ein paar Informationen bekommt, die nicht auf offener Straße rumliegen", weiß der Amtsinhaber die eher intime Runde zu schätzen, wenn Gastwirt Hubert Weiße dafür stets an einem seiner Ruhetage für die Literaturfreunde sein Haus ­öffnet.

"Neben seinem literarischen Können wird Steve Kußin in die Geschichtsbücher eingehen", begrüßte ihn Bürgermeister Andreas Gliesing (Christliche Mitte/Gewerbeverein) zum jüngsten Gespräch als letzten Stadtschreiber. Nachdem Ranis 1998 mit der ersten Stadtschreiberstelle in Thüringen Neuland betreten habe, sei es nunmehr Zeit, etwas Neues zu machen. "In den Fokus stellen wir die Förderung junger Talente", begrüßte das Stadtoberhaupt die Einrichtung des "Raniser Debüts", um das sich bis Juli sage und schreibe 122 überwiegend junge Autorinnen und Autoren beim Verein Lese-Zeichen ­beworben haben.

Beim jüngsten Stadtschreibergespräch überraschte Steve Kußin damit, dass er Manuskripte an die Anwesenden verteilte und das Theaterstück "Trottoir" somit von den Gästen mit vorlesen ließ. "Ich mag keinen Frontalvortrag und wählte deshalb diese Form", erklärte der 14. und zugleich letzte Stadtschreiber in Ranis.