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13.01.2007

Lesekonzert in bester Tradition

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Unterhaltsame Lesung mit Christoph Schmitz-Scholemann und Martin Stiebert in Ranis

Von Mario Keim Ranis (OTZ). In bester Tradition unterhaltsamer Lesekonzerte zum Jahresbeginn stand am Donnerstagabend die Autorenlesung in Ranis. Aufmerksame Besucher der Reihe fühlten sich beispielsweise an die Lesungen von Kerstin Kozubek (2001) und Michael Wüstefeld (2002) erinnert.
"Es war ein sehr vergnüglicher Abend. Literarisch stand die Veranstaltung auf einem sehr hohen Niveau", sagte Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen e.V. über die Lesung von Christoph Schmitz-Scholemann und Martin Stiebert. Musikalisch wurden der Autor Schmitz-Scholemann und Stiebert als Dialogpartner von Julia Horezky auf der Gitarre begleitet.

"Herr Stiebert trägt in Weimar professionell Texte vor. Das merkt man ihm natürlich an", sagte Christoph Schmitz-Scholemann, aus dessen Feder "Die Rache des Figaro" stammt. Die Art, in der beide die Textpassagen vortrugen, verlieh dem Abend den Charakter eines Theaterstückes mit einem Hauch bester Schauspielkunst. Das intime Gitarrenspiel der 23-jährigen Julia Horezky rundete den Abend wohlwollend ab. "Der Galeriesaal im Museum der Burg ist ein angenehmer Raum. Es machte mir großen Spaß, hier zu spielen. Die Zuhörer waren sehr aufmerksam. Auch ich finde das Stück von Christoph Schmitz-Scholemann sehr unterhaltsam. Denn es ist zu keinem Zeitpunkt langweilig", kommentierte die Musikerin den literarischen Part. Sorge bereitete der jungen Frau lediglich die Raumtemperatur: "Ich hoffe, man hat nicht gemerkt, dass ich zwischendurch immer mal die Gitarre stimmen musste", verriet später die Studentin aus Weimar.

In "Die Rache des Figaro" hat sich Christoph Schmitz-Scholemann seiner Lieblingsoper, Mozarts "Die Hochzeit des Figaro", angenommen. Seine Figaro-Triologie enthält Stücke voller Anspielungen auf das gesellschaftliche und politische Leben in Frankreich von Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Person Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (1732-1799), laut Autor ein "deutsch-französischer Glücksfall und ein toller Hecht dazu". Schmitz-Scholemann: "Als königlicher Uhrmacher, Hof-Harfenist, Waffenhändler, Verleger, Diplomat, Erotoman und Spion trieb er die gute Gesellschaft zur Weißglut. Die Geschichte von Figaros Hochzeit ist die Geschichte von Figaros Rache."

"Der Stoff erfordert genaue Recherche und einen sensiblen Umgang mit dem Wort", zollte Martin Straub dem Autoren Respekt. Das Stück, das 2003 für den Rundfunk geschrieben worden ist, spanne durch seine Kritik den Bogen bis in die Gegenwart. Dass die Pointen beim Publikum in Ranis bestens ankamen, zeigten die Reaktionen der 40 Gäste.

Dass Christoph Schmitz-Scholemann praktizierender Jurist ist, erleichtert ihm als passionierten Schriftsteller den Zugang zum Stoff. "Juristen müssen mit dem Wort umgehen können", bescheinigte Straub dem Richter am Bundesarbeitsgericht eine solide Arbeit.

"Einen schöneren Auftakt in das Jahr, in dem zum zehnten Mal die Literaturtage in Ranis stattfinden, hätte man sich nicht wünschen können. Der Abend hatte jene Vielstimmigkeit, die gute Literatur ausmacht", sagte der Geschäftsführer des Lese-Zeichen e.V. und bedankte sich in diesem Zusammenhang beim Initiator der Reihe, dem Raniser Hans Westerheide, sowie dem GGP als wichtigen Förderer seit Beginn der Lesungen im November 1997.Ranis hat sehr aufmerksame Zuhörer. Das zeichnet das Publikum aus.

Dr. Martin Straub, Geschäftsführer Lese-Zeichen e.V.